Prüfsteine zur Oberbürgermeisterwahl in Reutlingen

Was erwartet die Wirtschaft vom Oberbürgermeister von Reutlingen? Foto: Karsten - Fotolia.com

Was muss geschehen, damit Reutlingen in Zukunft erfolgreich ist? Das IHK-Gremium Reutlingen hat die Forderungen der regionalen Wirtschaft für die Oberbürgermeisterwahl am 3. Februar 2019 aufgestellt. Sie legen dar, was Unternehmen von der neuen Spitze der Stadt Reutlingen in der nächsten Legislaturperiode erwarten.

Zu acht Themen hat das IHK-Gremium wesentliche Anliegen der Reutlinger Wirtschaft und der hier aktiven Unternehmerinnen und Unternehmer zusammengefasst. Das vollständige Papier steht am Ende der Seite als Download zur Verfügung.

Verkehr & Infrastruktur

Luftreinhalteplan und Fahrverbote
Die Umsetzung des Luftreinhalteplans stellt für die Stadt Reutlingen eine große Herausforderung dar. Lkw-Durchfahrverbote, Temporeduzierungen und Verkehrsumlenkungen führen zu massiven Verkehrsproblemen, die nicht nur im innerstädtischen Handel zu spüren sind, sondern auch Unternehmen der Bauwirtschaft massiv beeinträchtigen. Fahrverbote bedrohen die Erreichbarkeit heimischer Firmen und des innerstädtischen Handels, Alternativen sind noch nicht vorhanden. Der Stadtverkehr wird gerade erst ausgebaut, ein Citylogistikkonzept gibt es derzeit nicht.

Achse B 312 / B 464
Die Ortsumfahrung Reutlingens auf der B 464 wird als sinnvolle Ergänzung des Scheibengipfeltunnels gesehen. Nur so wird er seine volle Wirksamkeit entfalten und den Raum der Reutlinger Alb sinnvoll an Reutlingen und an den Großraum Stuttgart anbinden.

Mobilfunk / 5G
Mobilfunkanbieter haben immer wieder Schwierigkeiten, in Reutlingen geeignete Standplätze für ihre Anlagen zu finden. Zum einen ist es schwer möglich, unter Beachtung der bestehenden Auflagen in der Bauordnung (Schweizer Grenzwerte) Standorte zu finden. Zum anderen werden städtische Liegenschaften, die aufgrund ihrer Lage geeignet wären, den Unternehmen nur selten zugänglich gemacht. Unter diesen Umständen wird sich eine leistungsfähige Mobilfunkinfrastruktur in Reutlingen nicht oder nur schwer ausbauen lassen. Der neue Mobilfunkstandard 5G wird unter diesen Umständen vermutlich nicht in der Stadt realisiert werden können.

Kombiniertes Verkehrsterminal (KVT)
Die IHK setzt sich für ein Kombiniertes Verkehrsterminal im Süden Stuttgarts ein, um Waren von der Straße auf die Schiene zu bringen. Hiermit kann - in Verbindung mit City-Logistik-Konzepten - ein Beitrag zur Entlastung von Umweltzonen erbracht werden. Die Stadt Reutlingen hat sich in der Vergangenheit für ein solches Terminal auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes ausgesprochen. Verschiedene Beschlüsse und auch Machbarkeitsstudien liegen vor. Die IHK unterstützt dieses Vorhaben. Allerdings spricht sich die IHK ebenfalls dafür aus, im Falle der Nicht-Realisierung des KVT für dieses städtebaulich hoch interessante Areal alternative Nutzungskonzepte zu erarbeiten.

Gewerbeansiedlung

Willi-Betz-Areal
Das Willi-Betz-Areal ist im Flächennutzungsplan als Industriegebiet ausgewiesen. Aus Sicht des IHK-Gremiums sollte diese baurechtliche Einordnung erhalten bleiben. Die Stadt sollte das Areal für hochmoderne industrielle Produktionsstätten reservieren. Die Fläche sollte daher nicht für gewerbliche nicht-industrielle Ansiedlungen genutzt werden.

Interkommunale Zusammenarbeit
Die interkommunale Zusammenarbeit sollte weiter ausgebaut werden. Insbesondere bei der Ansiedlung von Gewerbe und bei der Erschließung lohnt es sich engere Kooperationen zwischen den angrenzenden Kommunen zu prüfen und das Kirchturmdenken zu überwinden.

Digitale Verwaltung

Stadtkreisgründung
Die Ablehnung der Stadtkreisgründung sollten Stadt und Landkreis Reutlingen nutzen, um gemeinsam an einer digitalen Verwaltung zu arbeiten. In der Debatte um die von der Stadt Reutlingen beantragte Stadtkreisgründung hatte sich die IHK mit einer Stellungnahme beteiligt und die Auffassung der Wirtschaft in Stadt und Landkreis erhoben. Dabei war deutlich geworden, dass sich die Unternehmen vor allem ein schnelles und unkompliziertes Verwaltungshandeln wünschen. Es wurde als zweitrangig angesehen, ob dieses Handeln von der Stadt oder vom Landkreis ausgeht.

Digitale, bürger- und firmennahe Verwaltung
In der Wirtschaft werden Abläufe und Prozesse immer stärker digitalisiert. Stadt und Landkreis haben jetzt die Möglichkeit, diese Herausforderung gemeinsam anzugehen. Das könnte etwa ein gemeinsames Behördenzentrum sein. Dort könnten An-, Um- und Abmeldungen des Gewerbes oder von Fahrzeugen bearbeitet werden. Stadt und Landkreis sollten aus Sicht der IHK Reutlingen gemeinsam an einer digitalen und bürger- und firmennahen Verwaltung arbeiten.

Marke Reutlingen

Markenbildungsprozess
Mit einem starken Wirtschaftsstandort, einer entspannten Einkaufsstadt und der attraktiven Lage der Stadt Reutlingen wurden im Markenbildungsprozess zwei von drei Themen mit Wirtschaftsbezug als sogenannte Schaufensterthemen definiert. Die Wirtschaft begrüßt die Einschätzung und Bewertung der Bevölkerung zum Wirtschaftsstandort. Die regionale Wirtschaft fordert nun die Ergebnisse zu untermauern und zukunftsfähig zu gestalten sowie konkrete Arbeitsschritte einzuleiten.

Wohnen, Familie und Beruf

Interkommunale Zusammenarbeit bei der Wohnraumentwicklung
Die Region wächst. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg seit 2011 um 15 Prozent gestiegen. Das Angebot auf dem Wohnungsmarkt hat jedoch nicht mithalten können. Für die Standortentscheidung von Unternehmen und die Prosperität ist es von enormer Bedeutung, in welchem Umfeld Mitarbeiter gegebenenfalls mit ihren Familien leben können. Ansprechender, bezahlbarer Wohnraum gehört hier ebenso dazu wie Betreuungsmöglichkeiten für Kinder berufstätiger Eltern. Die Aktivierung bestehender Baulücken könnte hier in Teilen Abhilfe schaffen. Investitionsanreize für private Eigentümer könnten zur zeitnahen Nutzung von Baulücken beitragen.

Einkaufsstadt Reutlingen

Reutlinger Innenstadt
Die Reutlinger Innenstadt mit ihrem Einzelhandel und ihrer Gastronomie bestimmt in einem hohen Maße die Attraktivität der Stadt. Die Reutlinger Einzelhändler kritisieren die Umsetzung des Luftreinhalteplans für die Innenstadt. Deren Folge sind verärgerte Kunden und ein herber Imageschaden für die Reutlinger City als Einkaufsstandort. Schon seit Jahren sind eine rückläufige Zentralität und damit effektive Kaufkraftabflüsse festzustellen. Notwendig sind zukunftsweisende Rahmenbedingungen und ein integrales Konzept zur Steigerung der Innenstadt-Attraktivität. Eine Erhöhung und eine bessere Bindung der Kaufkraft müssen erklärtes Ziel sein.

Hochschulstandort Reutlingen

Hochschulstandort Reutlingen
Die Hochschule Reutlingen ist eine zentrale Bildungsstätte der Region mit Leuchtturmfunktion und gleichzeitig als forschende Einrichtung ein bedeutender Treiber innovativer Entwicklungen. Dies gilt, es von Seiten der Kommune aktiv zu fördern. Auch ist das Engagement der Wirtschaft ein wichtiger Bestandteil der ehemaligen Fachhochschulen und heutigen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften.

Texoversum
Das gemeinsame Vorhaben der Hochschule Reutlingen mit dem Verband Südwesttextil e.V. zum Aufbau eines überregional bedeutenden Zentrums der akademischen und beruflichen Bildung und Weiterbildung im Textilbereich auf dem Hochschul-Campus gilt es zu unterstützen. Für große strukturelle Vorhaben, wie dieses „Texoversum“ genannte Projekt, müssen Hochschule, Wirtschaft und Kommune eng zusammenarbeiten, um das Land als Träger der Hochschule von dem Vorhaben zu überzeugen. Ziel ist es, die Stadt Reutlingen als innovativen Hochschul- und Ausbildungsstandort weiterzuentwickeln.

Steuern und Abgaben

Kommunale Steuerpolitik
Die Städte sind aus Sicht der Unternehmen wichtige standortpolitische Akteure. Gewerbe-, Grundsteuer sowie die Wasser- Energie-, und Entsorgungskosten werden als sehr wichtige Standortfaktoren eingestuft. Höhere Steuern und Abgaben bedeuten eine zusätzliche Belastung für Unternehmen. Das IHK-Gremium Reutlingen fordert daher Augenmaß bei der kommunalen Steuerpolitik.

Das vollständige Papier steht hier zum Download zur Verfügung. 

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Schwerpunkte: Regionalmanagement Landkreis Reutlingen / Nachfolgeberatung / Firmenübernahme, Finanzierungsberatung und Fördermittelanalyse
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