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02.11.2016

Werben um IT-Nachwuchs

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Softwareentwickler und Programmierer sind heute fast überall gefragt. Bei der Jobsuche landen die meisten aber bei den bekannten großen Namen. Wie eine zugeschnittene Karrieremesse Firmen und Studenten einander näherbringt.

Finden und gefunden werden – dafür sorgen heute meistens Algorithmen. Bei der Suche nach Jobs und Fachkräften zählt immer noch der persönliche Kontakt. Foto: Wiemer

„Ich bin beeindruckt. Keine dieser Firmen war mir vorher bekannt. Es gibt offenbar mehr Möglichkeiten als erwartet“, meint Informatikstudent Muhammet Ali. Einige Stunden zuvor wurden er und weitere Studierende mit einem Shuttlebus nach Albstadt gefahren, um in Kontakt mit interessanten IT-Firmen zu kommen. 

Die Zeiten für IT-Fachkräfte könnten kaum besser sein: Nahezu alle Branchen suchen nach smarten Lösungen, um das Tagesgeschäft zu modernisieren. Die Nachfrage an Entwicklern und Programmierern ist daher enorm, weltweit liegt die Arbeitslosenquote bei etwa 2 Prozent. Nur: Das Angebot an IT-Nachwuchs ist relativ klein. Ein Dilemma, das gerade auch die eigene Branche betrifft.    

Aus diesem Grund hat das IHK-Netzwerk „IT, TK & Multimedia“ mit sechs IT-Unternehmen aus der Region eine Initiative gestartet, um direkt auf digitale Talente zuzugehen und von sich zu überzeugen. An der Uni Tübingen und den Hochschulen in Reutlingen und Albstadt wurden in einer Umfrage über 50 Informatikstudenten ermittelt, die an den Firmen und ihren Themen interessiert sind. Das Ergebnis: eine auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Karrieremesse in der Technologiewerkstatt Albstadt.

Kommt zu uns!
In wenigen Minuten sollen die Firmen ihr Geschäftsmodell ansprechend rüberbringen, danach folgt das große Kennenlernen in individuellen Gesprächen. Die Erwartungen sind auf beiden Seiten hoch. Was hat das nahe Umfeld so zu bieten an guten Leuten und coolen Firmen? Inhaltlich beispielsweise Themen wie Büro 4.0 und Industrie 4.0, Compliance, Digital Humanities oder Appentwicklung.  

Die erste Station, bevor es mit dem Shuttlebus nach Albstadt geht, ist Metzingen. Hier informiert man sich direkt beim IT-Systemhaus Easysoft, der in den Standort gegenwärtig 3,5 Millionen Euro investiert und 36 neue Arbeitsplätze schaffen will. Dann geht es weiter nach Albstadt, in die Technologiewerkstatt. Die dort ansässigen Appentwickler Meet now! stellen die jüngste Firma und schicken sehr junge Mitarbeiter für die Präsentation ins Rennen. DAASI International aus Tübingen wirbt unter anderem mit forschungsorientierter Arbeit, Anaptecs aus Reutlingen hat den diesjährigen Innovationspreis der Initiative Mittelstand für seine Desktoplösung „Weeasy“ erhalten. Letztere ist mit 20 Jahren die älteste der hier teilnehmenden Firmen. Man ist als reine Consultingfirma gestartet, hat sich aber inzwischen auf Cloud Computing und den browserbasierten Work Space spezialisiert.

Überall Bewerber
Alle Firmen sind sichtlich bemüht, einen guten und lockeren Eindruck bei den Studenten zu hinterlassen. DAASI International stellt daher gleich mal die weichen Faktoren nach vorne: „Bei uns gibt es Tischkicker und Süßigkeiten.“ Die Tübinger Firma hat sich einen Namen mit Open Source-Lösungen gemacht und punktet mit internationalen Projekten. Vor allem im Bereich Digital Humanities, den so genannten Digitalen Geisteswissenschaften. 

Die Bald-schon-Bewerber hören konzentriert zu, manche schmunzeln. Etwa ein Drittel der Studierenden sind Frauen, Geek-Outfits wie T-Shirt oder Sweater sind die Ausnahme. Notizen macht sich keiner, auch nicht auf dem Smartphone.

Es folgen noch Meet now!, die sich vom anfangs reinen App-Entwickler zum Softwarehersteller weiterentwickelt haben und den Heimvorteil nutzen, indem sie später die Interessierten durch ihre Firmenräume führen; ipoint Systems aus Reutlingen mit elf Standorten weltweit, die in der Hauptsache Software für Auto- und Elektronikkonzerne entwickeln, um deren gesamte Wertschöpfungskette zu automatisieren und nachhaltig zu gestalten; und schließlich Nemetris aus Bisingen, eine Ausgründung aus einem bestehenden Unternehmen, also ein Start-up, aber mit bestehender Kundenbasis und Cisco-Partnerschaft. Spezialgebiet ist Industrie 4.0, beziehungsweise Just-in-Sequence-Produktion, Smart Industry Apps und deren Vernetzung.

Groß ist nicht wichtig
Der Geräuschpegel steigt, die Gespräche sind in vollem Gang. Heimliche Sieger sind schwer auszumachen. Sirin, Kim und Sergej sind vor allem inhaltlich überzeugt. „Ich fand das alles sehr ansprechend und will gleich nachfragen“, sagt Sergej. Im Blick hat er dabei besonders Nemetris aus Bisingen. Alle drei stehen kurz vor ihrer Bachelorprüfung und wissen noch nicht genau, wie es danach weitergehen soll. Nur so viel: Die Größe des Arbeitgebers sei für sie nicht ausschlaggebend. Auch thematisch sind sich die drei einig: Apps für den Büroalltag wollen sie nicht entwickeln, sondern lieber am industriellen Produktionsablauf und der Vernetzung arbeiten. Würden sie dafür auch auf die Alb ziehen? „Arbeiten ja, hinziehen eher nicht“, meint Sirin.   

Ihr Kommilitone Muhammet Ali aus Nagold hingegen ist von den Möglichkeiten, die es gerade auch auf der Alb für seinen Beruf gibt, schwer begeistert. „Dass die Firmen so auf uns zukommen, auch Werkstudentenverträge und Masterarbeiten anbieten, ist schon toll. Am meisten hat mich die App-Entwicklung von Meet now! interessiert. Meine Bachelorarbeit geht auch in diese Richtung. Aber ich lasse mir die anderen Türen offen“. Der vielbesungene war for talents geht in die nächste Runde.

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