Übernahme eines Unternehmens

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Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens bietet Chancen und Risiken. In der Region Neckar-Alb stehen in den nächsten Jahren rund 1.500 Betriebe zur Unternehmensnachfolge an.

Die folgende Zusammenstellung der Chancen und Risiken einer Übernahmegründung soll erste Anhaltspunkte für Ihre eigene Entscheidung bieten:

Chancen einer Betriebsübernahme

  • Keine oder verkürzte Anlaufphase
  • Kundenstamm vorhanden
  • Eingespieltes Mitarbeiterteam
  • Eingerichtete Betriebs- und Werkstatträume, vorhandene Maschinen und Geräte
  • Bekanntheitsgrad, guter Ruf
  • Einarbeitung und Unterstützung durch den Vorgänger

Risiken einer Betriebsübernahme

  • Überhöhter Kaufpreis
  • Aufbau auf den bestehenden Vorgaben
  • Pflicht zur Übernahme aller Arbeitsverhältnisse
  • Personalprobleme oder verkrustete Strukturen
  • veraltete Maschinen oder Einrichtung
  • Haftungsrisiken (Steuern, Gewährleistung, Verbindlichkeiten)
  • Starke Inhaberprägung
  • Bröckelnder Kundenstamm
  • Behördliche Auflagen

Möglichkeiten der Betriebsübernahme

Wer Interesse daran hat, einen bestehenden Betrieb zu übernehmen, dem bieten sich verschiedene Möglichkeiten:

  • Kauf eines Unternehmens: Der Unternehmenskauf bietet sich an beim Erwerb eines Unternehmens "mit allen Aktiva und Passiva", das heißt mit allen Wirtschaftsgütern, Forderungen (laufende Verträge) und Verbindlichkeiten. Er kommt aber ebenso in Betracht bei Erwerb eines Teilbetriebes und von Anteilen an Gesellschaften, wie GmbH, GbR oder KG oder bei Eintritt in eine Einzelfirma. Damit der Unternehmenskauf wirksam wird, müssen Veräußerer und Erwerber einen Kaufvertrag schließen. Gesetzlich ist hierfür keine Schriftform vorgeschrieben, es empfiehlt sich aber, zu Beweiszwecken und zur Vermeidung von Streitigkeiten einen schriftlichen Kaufvertrag abzuschließen. Eine besondere notarielle Form ist nur bei der Übertragung von Grundstücken und beim Erwerb von GmbH-Geschäftsanteilen vorgeschrieben. 
  • Pacht eines Unternehmens: Nicht selten wird ein Unternehmen für eine Übergangszeit zunächst nur verpachtet, zum Beispiel um den Generationswechsel vorzubereiten. Im Unterschied zum Kaufvertrag erfolgt keine Übereignung des Unternehmens, insbesondere nicht des Anlagevermögens, allenfalls des Warenbestandes. Der Pächter erhält nur ein Nutzungsrecht. Typisches Beispiel ist die Pacht einer eingerichteten Gaststätte: Statt eines Kaufpreises sind nur regelmäßige (monatliche) Pachtzahlungen fällig, allerdings in den verschiedensten Spielarten. Es kommen fixe Beträge, aber auch umsatz- oder gewinnabhängige Zahlungen in Betracht. Auch finden sich häufig Anpassungsklauseln an dem Lebenshaltungskostenindex. Erfolg und Gewinn aus dem Unternehmen gehören dagegen allein dem Pächter.
  • Eintritt in Einzelunternehmen, -firmen / Erwerb einer Beteiligung: Der Erwerb einer Beteiligung beziehungsweise der Eintritt in ein bestehendes Unternehmen ist nicht selten die Vorstufe für die spätere Gesamtübernahme. Bei Eintritt in ein bisher selbständig geführtes Einzelunternehmen wird dieses automatisch zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Hierzu sollte nach Möglichkeit ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag abgeschlossen werden. Bei Eintritt in eine im Handelsregister eingetragene Einzelfirma ändert sich ebenfalls die Rechtsform, und zwar entweder in eine OHG oder KG: Zu einer OHG wird die bisherige Einzelfirma, falls der Eintretende unbeschränkt mit seinem gesamten Privatvermögen haftet. Zu einer KG wird die bisherige Einzelfirma, falls die Haftung auf einen bestimmten Betrag (Kommanditanteil) beschränkt bleiben soll. Hiervon zu unterscheiden ist der Eintritt in eine Personen- beziehungsweise Kapitalgesellschaft, auch Beteiligungserwerb genannt. In der geschäftlichen Praxis von Bedeutung ist der Erwerb einer Beteiligung an einer GbR, einer OHG, einer KG sowie der Erwerb eines GmbH-Geschäftsanteils. 
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Suchen und Finden:

Unterstützung bei der Kontaktvermittlung zu Unternehmerinnen und Unternehmern bieten:

  • Industrie- und Handelskammer
  • Handwerkskammern
  • Wirtschaftsförderer
  • Eigenes Netzwerk / vorhandene Kontakte
  • Steuerberater/Rechtsanwälte
  • (M&A) Unternehmensberater
  • Hausbanken
  • Inserate in Tageszeitungen / Fachzeitschriften / Branchenpublikationen
  • Nachfolgebörsen
    Mit der bundesweiten Unternehmensnachfolgebörse „nexxt-change“ stellt Nachfolgerinnen und Übergeberinnen ein kostenloses Angebot zur Verfügung.
    Die IHK Reutlingen bildet mit der IHK-Unternehmensnachfolgebörse das regionale Angebot ab.

Genau hinsehen: Das Unternehmen kennenlernen

Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte man sich einen Überblick über die gesamte (wirtschaftliche) Situation des zu übernehmenden Unternehmens machen. Dabei sollten auch die rechtlichen und steuerrechtlichen Aspekte geprüft werden.

  • Den Aufgabegrund des Unternehmens
  • Den Standort
  • Den Ruf des Unternehmens
  • Den Zustand der Betriebsstätten, Betriebsanlagen, Fuhrparks, usw.
  • Unternehmensbezogene Rechte, gewerbliche Schutzrechte, Urheberrechte, usw.
  • Die Mitarbeiter
  • Die Kunden
  • Die Kosten- und Ertragsstruktur
  • Den betrieblichen Erfolg
  • Alle vertraglichen Beziehungen des Unternehmens

Informationen und Unterstützung

Die IHK Reutlingen nimmt am Moderatorenkonzept Unternehmensnachfolge teil, das vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Im Rahmen dieses Konzepts sind bei der IHK Reutlingen zwei Moderatorinnen eingesetzt, die in allen Phasen der Betriebsübergabe Ansprechpartnerinnen sind.

Das Angebot umfasst:

Persönliche Beratungen von Übergebern und Übernehmern

  • Vorbereitung, Planung und Begleitung der Unternehmensübergabe/-übernahme
  • Formen der Unternehmensübergabe
  • Basiswissen zu Verfahrensweisen zur Ermittlung eines Unternehmenswertes
  • Sensibilisierung für betriebswirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Aspekte
  • Kontakte zu Experten
  • Vermittlung durch die Nachfolgebörsen:
    Nexxt-Change und IHK-Unternehmensnachfolgebörse
  • Finanzierung der Unternehmensübergabe

Veranstaltungen

Schriftliche Informationen

Jeannette Klein

Jeannette Klein

Existenzgründung und Unternehmensförderung
Position: Leiterin Gründung und Start-ups
Schwerpunkte: Existenzgründungsberatung
Telefon: 07121 201-297
Fax: 07121 201-4297
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Regina Stracke

Regina Stracke

Existenzgründung und Unternehmensförderung
IHK-Zentrale
Position: Moderatorin Unternehmensnachfolge
Schwerpunkte: Nachfolgeberatung, Firmenübernahme, Nachfolgebörsen
Telefon: 07121 201-138
Fax: 07121 201-4138
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