Frauen gründen

Frauen gründen anders. Die IHK Reutlingen liefert entsprechende Informationen.
Frauen gründen anders - und aus anderen Gründen als Männer. Speziellen Rat gibt die IHK Reutlingen.Foto: Franz Pfluegl - Fotolia.com

Zunehmend mehr Frauen entdecken die Selbstständigkeit als beruflichen Weg für sich. Die Beteiligung an Unternehmensgründungen ist seit 2013 auf einem Rekordniveau. Frauen von heute gehören zur bestausgebildeten Generation aller Zeiten. Das gilt auch für Gründerinnen. Unter ihnen gibt es heute mehr selbstständige Akademikerinnen als bei den Männern, so die "bundesweite gründerinnenagentur" (bga).

Allerdings zeigt der aktuelle KfW-Gründungsmonitor (2017) auch, dass nach Jahren der Spitzenbeteiligung an der Gründungstätigkeit Frauen wieder etwas weniger unter den Existenzgründern vertreten sind. Ihr Anteil fiel 2016 auf 40 Prozent nach jeweils 43 Prozent in den drei Jahren zuvor. Der Rückgang ist maßgeblich auf eine deutlich geringere Beteiligung an Vollerwerbsgründungen zurückzuführen. Dort ging der Anteil an Frauen von 39 Prozent auf 33 Prozent zurück. Bei Nebenerwerbsgründungen blieb die Beteiligung von Frauen mit 44 Prozent nahezu unverändert. Ein Blick in die Deutsche Start-up-Szene zeigt, dass bei Start-up-Gründungen der Frauenanteil noch geringer ausfällt. Nur in rund jedem vierten Start-up gehören Frauen zum Gründungsteam.

Auch bei der Betriebsübergabe treten leider nach wie vor weit weniger Frauen die Nachfolge in einem bestehenden Unternehmen an als Männer. Das Thema Unternehmensnachfolge hat zwar in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, doch Frauen als Nachfolgerinnen, sei es im Rahmen einer familieninternen Nachfolge oder beim Verkauf eines Unternehmens, spielen bis heute dabei eine eher untergeordnete Rolle. Je nach Studie schwanken die Übernahmen, die durch Frauen erfolgen zwischen 10 und 25 Prozent.

Egal ob Existenzgründung oder Unternehmensnachfolge, beide Berufsoptionen bieten Frauen die Möglichkeit, eine berufliche Aufgabe mit ihrer persönlichen und privaten Entfaltung zu verbinden. Familie und Karriere sind möglich. Gründerinnen oder Unternehmerinnen finden in der Regel die Rahmenbedingungen vor, die Angestellten in einer Firma oft verwehrt bleiben: flexiblere Arbeitszeiten, größere Gestaltungsspielräume und vor allem mehr Verantwortung.

Frauen gründen anders
Die Motive und Ziele, aber vor allem auch die Herangehensweise an eine bevorstehende Gründung, unterscheidet Gründerinnen von ihren männlichen Kollegen. Sie planen sorgfältiger und versuchen das Risiko weitestgehend zu minimieren. Ihre Qualifikationen und ihr Fachwissen sind oft besser als sie denken und zu oft steht sich "Frau" selbst im Weg. Zudem starten Frauen eher mit weniger Kapital, bescheideneren Erwartungen und häufig einer anderen Motivation als Männer in die Selbstständigkeit.

Auch wenn es einige signifikante Unterschiede zwischen dem Vorgehen von Gründerinnen und Gründern gibt - für eine erfolgreiche Selbstständigkeit ist das Geschlecht letzten Endes nachrangig. Wichtig sind vielmehr die Qualifikation und das Fachwissen, und ganz besonders die passende Gründerpersönlichkeit.

Die Wissenschaft zeigt (DIW, 2011): Erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer zeichnen sich aus durch eine größere Risikotoleranz, eine höhere Leistungsbereitschaft, eine größere Aufgeschlossenheit ihren Mitmenschen sowie gegenüber Veränderungen. Zudem verfügen sie über eine größere persönliche Souveränität und Durchsetzungsfähigkeit.

Frauen, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und ihn erfolgreich gemeistert haben, äußern sich häufig wie nachfolgende Gründerin: "Auch ich habe lange überlegt, bis ich endlich all meinen Mut zusammennahm. Ich hatte Selbstzweifel und schrieb viel zu lang an meinem Business Plan. Ich zögerte, machte dann aber doch Nägel mit Köpfen, denn eine Festanstellung war eigentlich keine Alternative. Heute bin ich froh, den Schritt gegangen zu sein."

So bereiten Sie sich auf Ihre Gründung vor:

Vorbereitung:
Falls Sie noch unentschlossen sind, überlegen Sie, was Sie in Ihrem Privat- und Berufsleben noch alles erreichen wollen.

Falls Sie schon entschlossen sind, überlegen Sie, was passieren muss oder welche Ziele Sie sich vornehmen, damit Sie nach einem Jahr Selbständigkeit sagen: Ja, das war eine gute Entscheidung. Welche Fähigkeiten und Stärken können Sie nutzen, um auf Kunden zuzugehen. Wie sieht aber auch Ihr persönlicher "Krisenplan" aus, falls es nicht so rund läuft, wie Sie es sich vorstellen.

Besprechen Sie die Frage "Selbstständigkeit oder nicht" in Ihrem familiären Umfeld, zum Beispiel mit Ihrem Partner oder den Kindern, und sorgen Sie dafür, dass die Veränderung Ihrer Lebenssituation von Ihrem Umfeld mitgetragen wird.

Planung:

Planen Sie Ihre Selbstständigkeit:

  • Entwickeln Sie auf der Basis Ihrer Idee und Ihres Geschäftsmodells einen Businessplan. Er zeigt, wie Sie sich die Umsetzung Ihrer Selbstständigkeit vorstellen und ob Ihr Vorhaben markt- und tragfähig ist. Der Businessplan ist zudem wichtig für die Kommunikation mit Finanzierungs- und Fördermittelgebern.
  • Klären Sie die formalen Aspekte der Unternehmensgründung und die praktischen Schritte der Umsetzung. Dazu gehören die Klärung des Status Freiberufler oder Gewerbetreibender, die Anmeldung, die Wahl einer geeigneten Rechtsform, die Prüfung von Pflichtmitgliedschaften (Berufskammern, Berufsverbände, etc.) und notwendigen Versicherungen.
  • Darüber hinaus müssen oft auch geeignete Büro- und Produktionsräume gefunden, die Leistungserstellung sowie das Marketing gestartet und erste Pilotkunden akquiriert werden.

Von Frauen geführte Unternehmen müssen sich genauso am Markt behaupten. Dennoch bestehen oftmals Vorbehalte gegenüber Unternehmerinnen. Also: Bereiten Sie sich auf das Bankgespräch besonders gründlich vor. Treten Sie selbstbewusst auf und stellen Sie Ihr Unternehmenskonzept ohne Selbstzweifel dar.

Zeitplanung:

Selbständiges Arbeiten in den eigenen vier Wänden ist nicht immer leicht. Wer effektiv und zielführend von zu Hause arbeiten will, benötigt Disziplin, Motivation und vor allem Organisationstalent. Wer ein Unternehmen führen will, muss vor allem sich selbst effektiv "managen" können. In der Regel gelingt den Frauen das sehr gut, da sie es gewohnt sind, viele Dinge unter einen Hut zu bekommen.

Für alle, die parallel zur Selbstständigkeit auch für die Familie da sein müssen, noch ein paar Tipps: Machen Sie sich eine genaue Tagesplanung, so gewinnen Sie mehr Zeit für Ihre Kinder. Verabreden Sie dabei verlässliche Betreuungszeiten (auch Ferienzeiten berücksichtigen). Für Notfälle sollten Sie zudem ausreichend Ersatzlösungen zur Verfügung haben. Kalkulieren Sie die für Ihre Arbeit zur Verfügung stehende Zeit. Trennen Sie dabei genau zwischen Arbeit und Familienzeiten, auch wenn Sie zu Hause arbeiten.

Wichtig: Sorgen Sie auch für sich selbst und kümmern Sie sich darum, dass Sie Ihre Energiereserven wieder auffüllen. 

Gründung oder Unternehmensnachfolge

Der Start ins eigene Unternehmen muss nicht immer eine Neugründung sein. Warum nicht ein bestehendes und funktionierendes Unternehmen übernehmen und weiterführen? Als Nachfolgerin erzielen Sie vom ersten Tag an Umsatz. Außerdem ist das Unternehmen am Markt etabliert und die Mitarbeiter sind eingearbeitet.

Angebote für die Gründung

Die IHK Reutlingen unterstützt gründungs- und übernahmeinteressierte Frauen mit verschiedenen Angeboten:

Informationsveranstaltung für Existenzgründerinnen - "Starke Frauen im Portrait": Hier können Gründerinnen von erfolgreichen Frauen erfahren, wie man gründet und ein eigenes Unternehmen aufbaut. Jedes Jahr am 8. März zum Internationalen Frauentag stellt die IHK Reutlingen eine erfolgreiche Unternehmerin aus der Region Neckar-Alb vor und informiert interessierte Gründerinnen zum Thema Selbstständigkeit und Gründung eines Unternehmens. Zudem haben Frauen die Gelegenheit, sich zu vernetzen.

Gründungs- und Nachfolgeberatung: Gründerinnen und Übernehmerinnen können sich in individuellen Einzelgesprächen zu allen Fragen der Gründung oder Übernahme beraten lassen.

Frauenwirtschaftstage - Baden-Württemberg: Jährlich finden im Herbst landesweit die Frauenwirtschaftstage statt und setzen Impulse für den Erfolg von Frauen im Berufsleben. In diesem Rahmen bietet die IHK Reutlingen gemeinsam mit Partnern aus der Region Neckar-Alb in Reutlingen eine Veranstaltung für gründungsinteressierte Frauen und Unternehmerinnen an, um sich zu informieren, inspirieren zu lassen und um sich zu vernetzen.

Aktionstag "Nachfolge ist weiblich": Jährlich findet bundesweit der Aktionstag "Nachfolge ist weiblich" statt. Die IHK Reutlingen bietet in diesem Rahmen eine Veranstaltung für Frauen an, die sich zum Thema Unternehmensnachfolge oder Existenzgründung informieren wollen.

Kursangebote: Gründer/innen können sich im Kompaktseminar Existenzgründung einen ersten Überblick verschaffen oder vertiefend im modularen Existenzgründungslehrgang auf ihre Selbstständigkeit vorbereiten.

Online-Unterstützung: Mit dem Internet-Portal "Gründungswerkstatt Neckar-Alb" kann der eigene Businessplan Schritt für Schritt entwickelt werden. Hilfestellung bietet ein virtueller Coach, der bei Fragen allen zukünftigen IHK-Mitgliedern mit Ratschlägen und Tipps zur Seite steht.

Links    

Bundesweiter Gründerwettbewerb Darboven IDEE-Förderpreis für Gründerinnen 

Bundesweite Gründerinnenagentur

Verband deutscher Unternehmerinnen

Deutsches Gründerinnenforum e.V.

Frauen am Werk - Netzwerk von und für Frauen, das Lebens-Arbeits-Kultur-Raum schafft

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Ihr Ansprechpartner

IHK-Zentrale
IHK Reutlingen Bereich: Existenzgründung und Unternehmensförderung
Position: Existenzgründungsberaterin
Schwerpunkte: Existenzgründungsberatung
Telefon: 07121 201-297
Fax: 07121 201-4297
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