Landtagswahl 2026: Positionen der Wirtschaft für die Region Neckar-Alb

Mehr Geschwindigkeit, mehr Umsetzung

Die Landtagswahl 2026 ist für die Unternehmen der Region Neckar-Alb enorm wichtig. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten geht es darum, dass die künftige Landesregierung wesentliche Weichenstellungen für die Zukunft der heimischen Unternehmen stellt. Es geht vor allem um verlässliche, planbare und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen. Die Landespolitik weiß in der Breite um die Bedeutung der Wirtschaft in Region und Land. Unsere Unternehmen sind überwiegend mittelständisch strukturiert, oft familiengeführt und mit einem hohen Anteil an kleinen Betrieben sowie Selbstständigen. Es gibt grundsätzlich ein konstruktives Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft. Man begegnet sich auf Augenhöhe und hört einander zu. Gleichwohl folgt aus dem Dialog zu selten die Umsetzung, und wenn doch, dauern viele Vorhaben oft zu lange. 

Die Wirtschaft der Region Neckar-Alb fordert daher mehr Geschwindigkeit, mehr Verbindlichkeit und echte Reformen von der künftigen Landesregierung. Für die Wirtschaftswende und die bevorstehende Transformation braucht es mehr Mut, ein hohes Maß an Verlässlichkeit und eine Abkehr vom Kleinklein. Die Wirtschaft der Region Neckar-Alb beteiligt sich mit 18 Positionen in den Themenfeldern „Rahmenbedingungen verbessern“, „Branchen und Firmen fördern“ und „Zukunft entwickeln“ an der Diskussion um die künftige Ausrichtung der Politik in Baden-Württemberg. Unsere Positionen richten sich an die politischen Verantwortlichen in Land und Region, verdeutlichen die Ausrichtung der IHK als Selbstverwaltungsorganisation der Wirtschaft und geben den Bürgerinnen und Bürgern bei uns wichtige Hinweise, welche Bedingungen die regionale Wirtschaft in den kommenden Jahren benötigt, wenn die Betriebe weiter für Wohlstand und Beschäftigung sorgen sollen. 

1. Rahmenbedingungen verbessern

Bürokratieabbau praktisch und zügig angehen

Der Abbau bürokratischer Hürden ist eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftliche Dynamik. Die Praxis zeigt auch in unserer Region, dass lang dauernde Verfahren, etwa bei Baugenehmigungen oder der Fachkräfteeinwanderung, bremsen. Auf Landesebene haben der Normenkontrollrat oder die Entlastungsallianz einige Impulse gesetzt, diese können jedoch nur der Anfang sein. 

Die regionale Wirtschaft spricht sich für einen Bürokratieabbau nach dem Prinzip „One in, two out“ aus. Jede neue Regelung muss durch den Wegfall von zwei bestehenden Regelungen kompensiert werden. Darüber hinaus sollten alle Rechts- und Verwaltungsvorschriften grundsätzlich auf zehn Jahre befristet werden, eine Verlängerung darf nur mit nachvollziehbarer Begründung erfolgen. Neue Vorgaben müssen sich zudem an der Praxis von Kleinstunternehmen orientieren und die Angemessenheit, die Erforderlichkeit und die Umsetzbarkeit im Blick haben. Nachweis-, Berichts- und Dokumentationspflichten sollten möglichst durch einfache Selbsterklärungen erfüllt werden können und Kontrollen nur stichprobenartig erfolgen. Schwellenwerte für bürokratische Pflichten sind pauschal deutlich anzuheben. Ergänzend ist ein Belastungsmoratorium erforderlich, um für einen festgelegten Zeitraum keine neuen Bürokratiepflichten einzuführen. 

Genehmigungsverfahren sind landesweit zu straffen: Wird ein Antrag nicht innerhalb von acht Wochen entschieden, sollte die Genehmigung als erteilt gelten. Erfolgt innerhalb von vier Wochen keine Nachforderung weiterer Unterlagen, gilt der Antrag als vollständig. Maßgeblich sollte stets das Datum der Antragstellung sein, damit nachträgliche Änderungen der Sach- oder Rechtslage Verfahren nicht verzögern. Wo möglich, sind Genehmigungen durch einfache Anzeigeverfahren zu ersetzen. Die Umsetzung des kommunalen Regelungsbefreiungsgesetzes muss die Landespolitik aktiv begleiten und bestehende Hürden bei der Antragstellung weiter abbauen. Gute Praxisbeispiele sind systematisch auf andere Kommunen zu übertragen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Behörden sollten ausdrücklich ermutigt werden, bestehende Ermessensspielräume verantwortungsvoll zu nutzen. Weiter sollte es einen regelmäßigen Austausch zwischen Verwaltung und Wirtschaft geben, etwa über Praktikums- und Rotationsmodelle, um gegenseitig mehr Verständnis aufzubauen. 

Verwaltung digitalisieren und besser vernetzen

Verwaltungsverfahren unterscheiden sich in vielen Fällen von Kommune zu Kommune. Das hat zur Folge, dass Daten mehrfach eingegeben werden müssen und teils nur schwer zugänglich sind. Daher ist eine Vereinheitlichung der Verfahren Kommunen- und länderübergreifend dringend nötig. Im ersten Schritt sollten Kommunen Antragsformulare anderer Kommunen akzeptieren und diese auch digital verarbeiten können, um Anpassungsdruck zu erzeugen. Ziel müssen zukunftsfähige und unabhängig von Verwaltungseinheiten aufgesetzte Prozesse sein. Durch die Modernisierung und bessere Vernetzung staatlicher Register können Unternehmen von mehrfachen Dateneingaben entlastet werden („Once-Only“-Prinzip). Sämtliche Schriftformerfordernisse sind durch digitale Erklärungen zu ersetzen, alle behördlichen Verfahren müssen vollständig elektronisch abwickelbar sein. Auch der Einsatz von KI kann Verwaltungsvorgänge entlasten und beschleunigen. Ihr verstärkter Einsatz sollte gerade in Baden-Württemberg erprobt und vorangetrieben werden.

Verkehrsinfrastruktur fit machen

Die Region Neckar-Alb leidet seit Jahrzehnten an einer zu wenig zukunftsfähig ausgebauten Verkehrsinfrastruktur. Vielerorts zeigen sich Engpässe und strukturelle Defizite: Der Straßen- und Schienenverkehr stößt seit langem an seine Kapazitätsgrenzen mit spürbaren Folgen für Lieferketten, Pendler und Unternehmen. Die regionale Wirtschaft fordert einen Ausbau regionaler Bundesstraßen entlang der Prioritäten des Bundesverkehrswegeplans. Dieses Anliegen kann die neue Landesregierung beim Bund mit hohem Nachdruck mitverfolgen. Konkret geht es darum, Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur zu erhalten und zugleich darauf hinzuwirken, die bestehenden langwierigen Planungsprozesse zu entschlacken und zu beschleunigen. Mit Blick auf den ÖPNV wird die Inbetriebnahme der Großen Wendlinger Kurve für einen dringend nötigen Ausbau des Zugtaktes sorgen. Es gilt nun, die Planungen für die Regionalstadtbahn weiter anzuschieben, um die Bahninfrastruktur perspektivisch leistungsfähig aufzustellen. Hier kann das Land helfen, indem es seine Finanzierungszusagen hält und das Projekt weiter politisch forciert. 

Breitbandausbau forcieren und Lücken schließen

Breitband ist neben der Wasser-, Strom- und Gasversorgung sowie den Verkehrswegen die zentrale Infrastruktur für Unternehmen in der Region und wichtiger Enabler für eine zukunftsfähige Wirtschaft. Überall dort, wo in Bruchteilen von Sekunden reagiert werden muss, sind Echtzeitsysteme gefragt, um etwa Anwendungen in der Energieversorgung, in der Produktion, beim autonomen Fahren, in der Telemedizin oder im Bereich Industrie 4.0 zu ermöglichen. Der technologische Wandel und die Innovationskraft der regionalen Betriebe wird in immer schnelleren Zyklen für weitere Anwendungsfälle sorgen. Somit wird auch in der Region Neckar-Alb die digitale Infrastruktur immer mehr zum essenziellen Rückgrat unserer Wirtschaft. Insofern fordert die heimische Wirtschaft sowohl im Mobilfunk als auch im Glasfaserausbau, die bestehenden Versorgungslücken in der Region zu schließen und die Qualität der Netze weiter zu verbessern. 

Fläche für die Wohnungen von morgen schaffen

Die Region Neckar-Alb braucht als Industriestandort und Heimat innovativer Unternehmen weiterhin Flächen, um Betrieben die Möglichkeit zum Wachsen und zum Ansiedeln zu geben. Dafür ist eine vorausschauende Flächenpolitik nötig, die in der Regel viele Jahre im Voraus beginnen muss. Daneben ist eine enge interkommunale Zusammenarbeit essenziell, um nötigen Flächen zu schaffen. Die Landespolitik ist gefordert, diese Kooperationen gezielt zu fördern und rechtliche wie finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, die Ansiedlungen erleichtern. Nötig sind auf Landesebene unbürokratische planungsrechtliche Voraussetzungen und Förderinstrumente, um Kommunen und Unternehmen bei der zügigen Flächenaktivierung zu unterstützen. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Neckar-Alb zu sichern, neue Wertschöpfung zu ermöglichen und nachhaltige Entwicklungsperspektiven zu schaffen. 

Energie muss bezahlbar sein

Die IHK Reutlingen steht hinter den Zielen der Energiewende. Es muss dabei jedoch die nötige Balance gefunden werden, um dem Zieldreieck aus Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit von Energie gerecht zu werden. Die finanzielle Entlastung von Unternehmen bei der Energieversorgung und der am Machbaren orientierte Stromnetzumbau, gerade für den Strom aus Erneuerbaren Energien, müssen Priorität haben. Aus Sicht der regionalen Wirtschaft dürfen die Unternehmen nicht durch hohe Stromkosten, komplexe Gesetze und Verordnungen geschwächt werden.

Kommunale Haushalte entlasten

Auch in der Region Neckar-Alb sind die kommunalen Haushalte sehr belastet. Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft: Auf der Ausgabenseite kommen Infrastrukturprojekte auf den Prüfstand. Auf der Einnahmenseite werden auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmen beispielsweise die Hebesätze für die Grund- und Gewerbesteuer erhöht und neue Abgaben wie eine Verpackungs- oder Bettensteuer eingeführt, wie verschiedentlich in der Region zu beobachten ist. Das verschlechtert die Standortbedingungen für die Betriebe. Eine auskömmliche Finanzierung der Kommunen in der Region ist deshalb auch für die heimische Wirtschaft von Belang. Die neue Landesregierung sollte die weitere Entwicklung der Haushalte im Blick behalten und sich auf Landes- und Bundesebene für eine dauerhafte Lösung des Finanzierungsproblems bei den kommunalen Haushalten einsetzen. 

2. Branchen und Firmen fördern

Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft zur regionalen Stärke entwickeln

Mit Blick auf die geopolitische Lage müssen Deutschland und Baden-Württemberg ihre Verteidigungsfähigkeit und die gesamtgesellschaftliche Resilienz stärken. Eine leistungsfähige Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft ist dafür ein wesentlicher Schlüssel. Die heimischen Unternehmen verfügen über Kompetenzen in Schlüsseltechnologien und können daher noch stärkerer Partner und Teil der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft werden. Das Land kann eine solche Entwicklung politisch begleiten und befördern und für eine stärkere Koordination zwischen zivilen und militärischen Akteuren sorgen. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen dafür beschleunigt, Vergabeprozesse vereinfacht und Investitionen in Forschung und Entwicklung unterstützt werden. 

Bettensteuern landesgesetzlich ausschließen

Die Region Neckar-Alb hat sich als bedeutender Teil der Schwäbischen Alb zum einem landesweit bedeutenden Tourismusstandort entwickelt. Ihn gilt es weiter zu fördern und zu stärken. Dafür braucht es verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Im Widerspruch dazu steht, dass derzeit einzelne Städte und Gemeinden in der Region Neckar-Alb die Einführung kommunaler Bettensteuern planen oder bereits umgesetzt haben. Die regionale Wirtschaft lehnt diese Entwicklung entschieden ab. Aus Sicht der Firmen schwächen Übernachtungssteuern den Standort, erhöhen die bürokratische Belastung für Betriebe wie auch Verwaltungen erheblich und führen durch steigende Preise zu einem Rückgang bei den Gästezahlen. Dies beeinträchtigt unmittelbar die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Übernachtungsbetriebe, insbesondere im Vergleich zur Konkurrenz in Bayern. Dort ist die Erhebung kommunaler Bettensteuern gesetzlich untersagt. Aus Sicht der heimischen Betriebe sollte die neue Landesregierung dem bayerischen Beispiel folgen und das Kommunalabgabengesetz so ändern, dass die Einführung von Bettensteuern in Baden-Württemberg ebenfalls ausgeschlossen wird.

Handel und lebendige Zentren fördern

Innenstädte sind wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zentren. Digitalisierung, Onlinehandel und Pandemie haben jedoch ihre Rolle geschwächt. Ziel der Landespolitik muss es sein, Innenstädte als attraktive Wirtschaftsstandorte zu sichern und ihre Funktionen zu erhalten. Wichtig ist ein Gleichgewicht zwischen Aufenthaltsqualität und wirtschaftlicher Nutzung. Nur durch wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe können Innenstädte langfristig attraktiv bleiben. Zudem müssen Innenstädte für Kundschaft aus dem Umland mit dem Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein. Die neue Landesregierung sollte aus Sicht der regionalen Wirtschaft Kommunen und Partner vor Ort unterstützen und weiter Initiativen und Aktivitäten, die auf die Qualität lebendiger Zentren einzahlen, fördern. 

Politik auch für Einpersonen- und Kleinstunternehmen (EKU)

Einpersonen- und Kleinstunternehmen (EKU) bilden das Rückgrat der heimischen Wirtschaft: Über 38.000 Betriebe mit bis zu neun Beschäftigten sichern regional gleichermaßen Vielfalt, Innovationskraft sowie regionale Stabilität. Dennoch werden ihre besonderen Bedürfnisse in der Politik oft übersehen. Die künftige Landesregierung sollte daher mehr Aufmerksamkeit auf die Entlastung und gezielte Förderung von Einpersonen- und Kleinunternehmen legen. Dies kann etwa dadurch geschehen, dass EKU über einen landesweiten EKU-Beirat stärker in politische Prozesse einbezogen werden. Zudem sollten administrative Vorgaben und Regeln an die Unternehmensgröße angepasst werden, um Überforderung der kleinen Betriebe zu vermeiden. Zudem fehlen spezifische Förderprogramme. Ein eigenes EKU-Mikrodarlehen-Programm mit vereinfachten Beantragungsverfahren und schnellen Zusagen kann Investitionen erleichtern und Planungssicherheit schaffen. 

3. Zukunft entwickeln

In Bildung investieren – von der Kita bis zur Berufsschule

Der Fachkräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen für Baden-Württemberg und die Region Neckar-Alb. Bis 2035 werden laut IHK-Fachkräftemonitor bei uns über 21.000 Fachkräfte fehlen. Dabei sind kluge Köpfe das Fundament unserer wirtschaftlichen Stärke und Innovationskraft. Wir müssen daher dringend investieren, etwa in Berufsschulen, die personell und materiell angemessen ausgestattet und gut erreichbar sind. Weit entfernte Schulstandorte wirken ausbildungshemmend und verschärfen das Problem. Gleiches gilt für die Betreuung der Kleinsten. Kitas leisten einen wichtigen Beitrag zur frühkindlichen Bildung. Qualität, Personal und Ressourcen müssen entsprechend gesichert sein. Dazu gehört auch die Umsetzung des gesetzlichen Anspruches auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen. Nur mit diesem Angebot können Fachkräfte mit Kindern gewonnen und gehalten werden. Darüber hinaus ist die berufliche Weiterbildung zu stärken, etwa durch die Ausweitung der Meisterprämie auf IHK-Abschlüsse – ein wichtiges Signal für die Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung. Gleichzeitig braucht es klare rechtliche Rahmenbedingungen für Weiterbildungsträger und -beschäftigte. Rechtsunsicherheiten, etwa durch Urteile zur Scheinselbstständigkeit oder das Fernunterrichtsschutzgesetz, müssen zeitnah und eindeutig geklärt werden. 

Ausländische Fachkräfte gewinnen und halten

Die bisherigen gesetzlichen Vorgaben und Verwaltungsvorschriften sorgen bei ausländischen Fachkräften und Betrieben gleichermaßen für Verunsicherung, für viel Bürokratie und mindern damit die Attraktivität des Landes als Einwanderungsstandort, wie die Erfahrungen zahlreicher Unternehmen aus der Region immer wieder zeigen. Verwaltung und Politik sollten die Fachkräfteeinwanderung konsequent unbürokratisch, transparent und digital umsetzen: Auskunfts- und Nachweispflichten für Unternehmen sind zu reduzieren, Visa- und Aufenthaltsverfahren deutlich zu beschleunigen und zu vereinfachen. Das Zuwanderungssystem muss bedarfsorientiert, verständlich und leicht handhabbar sein. Für die Suche nach Arbeits- und Ausbildungsplätzen braucht es einfache, praxistaugliche Zugänge statt komplexer Instrumente wie der „Chancenkarte“. Die Eignungsprüfung ausländischer Fachkräfte sollte stärker den Unternehmen übertragen werden und die IHKs sind als verlässliche Partner der Behörden noch intensiver einzubinden. 

Transfer Wissenschaft/Wirtschaft, KI-Region: Projekte fördern

Die Region Neckar-Alb hat sich als relevanter Standort für Innovation und Technologie in Europa etabliert. Es gilt, diese Position auszubauen, vor allem mit Blick auf KI und Digitalisierung. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen niedrigschwelligen Zugang zu anwendungsorientierter Forschung, zu KI-Talenten sowie zu relevanten Test- und Transferumgebungen. Die neue Landesregierung sollte dafür eine KI-Strategie entwickeln und Umsetzungshilfen in Bezug auf die europäische KI-Verordnung, KI-orientierte Exportberatung, Messeförderung sowie den Ausbau internationaler Partnerschaften fördern. Das Ziel muss sein, dass heimische Betriebe mit ihren KI-Anwendungen erfolgreich im globalen Wettbewerb bestehen können. 

Gesundheitsversorgung sichern

Laut regionaler IHK-Standortzufriedenheitsumfrage zählt die medizinische Versorgung zu den fünf wichtigsten Standortfaktoren der Betriebe. Die regionale Wirtschaft plädiert daher dafür, dass der Zugang zu Notfall- und Grundversorgung in allen Bereichen der Region gewährleistet sein muss, insbesondere im ländlichen Raum. Mögliche und notwendige Strukturänderungen in der Versorgungsinfrastruktur dürfen Erreichbarkeit, Wartezeiten und Hilfsfristen nicht verschlechtern und keine zusätzliche Belastung der Unternehmen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach sich ziehen. Die IHK fordert flächendeckend gut erreichbare Versorgungsstrukturen. Hier können regionale Gesundheitszentren künftig ein Faktor sein. Zudem braucht es eine sektorenübergreifende Vernetzung, digitale Versorgungslösungen (z.B. Telemedizin) sowie den Ausbau von Präventionsangeboten. 

Transformation vorantreiben

Baden-Württemberg steht als Automobil- und Industriestandort vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Transformation kann nur gelingen, wenn Innovationskraft, industrielle Stärke und unternehmerische Vielfalt im Land erhalten bleiben. Das Land sollte die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Betriebe der Zulieferindustrie, den Übergang zu neuen Technologien, zu Digitalisierung und Nachhaltigkeit erfolgreich bewältigen können. Dazu gehören gezielte Förderprogramme, Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie der Ausbau von Qualifizierungsangeboten für Fachkräfte. Für die Phase der Transformation werden dabei neue Gewerbeflächen benötigt. Diese gilt es schnell zu entwickeln. 

Neckar-Alb zur Gründerregion machen

Die Region Neckar-Alb verfügt über ein großes Potenzial an innovativen Köpfen, kreativen Ideen und unternehmerischer Energie. Dieses Potenzial, zuletzt haben sich jedes Jahr 3.800 Personen selbständig gemacht, muss gezielt gestärkt werden. Dazu ist die Gründungsdynamik durch passgenaue Förderangebote und professionelle Beratungsstrukturen weiter auszubauen. Gründungen benötigen Unterstützung in allen Phasen, von der Idee über die Umsetzung bis zum Wachstum. Dabei gilt es, die Unternehmensnachfolge als Gründungsoption stärker zu promoten und zu fördern. Zielgruppen mit hohem Gründungspotenzial wie Schülerinnen und Schüler, Studierende, Frauen sowie Menschen mit Migrationshintergrund sollten zudem in den Fokus gerückt und ihre Beteiligung an der regionalen Gründungsszene gezielt erhöht werden. Unternehmerisches Denken und Handeln sollte frühzeitig in Schule und Ausbildung verankert werden. 

Christoph Heise

Christoph Heise

Unternehmensförderung & Standortpolitik, Standortagentur & Netzwerkbüro,
IHK-Zentrale
Position: Stellvertretender Hauptgeschäftsführer, Bereichsleiter
Schwerpunkte: Politische Interessenvertretung, Standortpolitik
Telefon: 07121 201-174
E-Mail schreiben
vCard herunterladen
LinkedIn
Zur Detailseite