"Wir für die Region" - Die Wirtschaft zur Landtagswahl

Die Vollversammlung der IHK Reutlingen, das Parlament der Unternehmerinnen und Unternehmer, hat anlässlich ihrer Sitzung vom 16. Dezember 2020 die Forderungen der regionalen Wirtschaft für die Landtagswahl am 14. März 2021 und für die 17. Legislaturperiode beschlossen. Das Papier steht unter der Überschrift "Wir für die Region Neckar-Alb". Den Entwurf konnten IHK-Mitglieder im Vorfeld kommentieren.

Innovationsregion und Technologietransfer

Innovationsregion und Technologietransfer

Neckar-Alb ist ein Innovationsstandort. Dafür gilt es, den Wissenschaftsstandort Neckar-Alb zu sichern, das Cyber Valley weiter zu fördern und den KI-Innovationspark anzusiedeln sowie die Region zum Biotop für individualisierte Medizin auszubauen. Wissenstransfer und Technologiekompetenzen gilt es zu stärken. Die Landespolitik muss in Zukunftsfelder, wie beispielsweise die Weltraumtechnik, und in das industrielle Rückgrat der Region Neckar-Alb investieren. Vom Technologietransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft – auch und gerade mit Beteiligung der Industrie- und Handelskammer Reutlingen – profitieren die Wirtschaft der Region und das Land Baden-Württemberg.

Wissenschaftsstandort Neckar-Alb

Wissenschaftsstandort Neckar-Alb

Eine Exzellenzuniversität, drei Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie weitere renommierte Lehr- und Forschungseinrichtungen sind die Grundlage für den „Wirtschaftsfaktor Wissenschaft“ in Neckar-Alb. Begrenzte Finanzmittel sowie Herausforderungen durch Digitalisierung, Flächenbedarfe und Bürokratieaufwand engen die Handlungsspielräume der Hochschulen jedoch ein. Hier müssen zielgerichtete Bürokratieentlastungen, besonders für die Professorenschaft und den akademischen Mittelbau, rechtssichere Autonomieerweiterungen für die Hochschulleitungen sowie verlässliche Finanzgrundlagen, beispielsweise für eine zeitgemäße digitale Infrastruktur, geschaffen werden. Nur so können die Hochschulen, als Partner der regionalen Unternehmen, in praxisorientierter Lehre, innovativer Forschung und Technologietransfer sowie Gründungen auf dem Campus kooperationsfähig bleiben.

Bildung und Fachkräfte

Bildung und Fachkräfte

Qualifizierte Fachkräfte sind wichtig für die Region – auch deshalb muss die Offenheit für Fachkräftezuwanderung nach Deutschland aufrechterhalten bleiben. Das Erfolgsrezept berufliche Aus- und Weiterbildung muss bei Schülerinnen und Schülern sowie Eltern stärker beworben und weiter gefördert werden. Für eine attraktive Berufsausbildung brauchen wir auch eine gute Infrastruktur an Berufsschulen, gerade im ländlichen Raum. Gleichzeitig muss von Ammerbuch bis Zwiefalten die Digitalisierung an Schulen stärker fokussiert werden. Dafür müssen die bereitgestellten Gelder im Rahmen des Digitalpakts Schule zügiger abgerufen und bei Bedarf mit weiteren Landesmitteln aufgestockt werden. Die zahlreichen Aktivitäten der IHK im Bereich der Ausbildung und des Ausbildungsmarketings müssen begleitet und unterstützt werden.

Straßenbau

Straßenbau

Die Landespolitik sollte sich auf Basis der Festlegungen im Bundesverkehrswegeplan für die Region Neckar-Alb stark machen. Konkret müssen die B27 durchgängig vierspurig geführt sowie die B312 am hoch belasteten Albaufstieg in Lichtenstein, die Ortsumfahrung Reutlingen auf der B464 und die B463 bei der Ortsumfahrung Lautlingen ausgebaut werden. Zusätzlich sollte der Schindhaubasistunnel zeitnah realisiert werden. Wichtig ist dabei insbesondere, dass Planfeststellungsverfahren zügig durchgeführt und baufertige Planungen vorgelegt werden können. Wir brauchen die uneingeschränkte Solidarität aller Abgeordneten, um diese wichtigen Verkehrsprojekte in der Region zu realisieren, auf die nun seit Jahrzehnten gewartet wird. Hierzu setzen wir auf die frühzeitige Einbindung aller Interessengruppen.

Schienennetz, Regionalstadtbahn und neue Verkehrskonzepte

Schienennetz, Regionalstadtbahn und neue Verkehrskonzepte

Das bereits im Bau befindliche erste Modul der Regionalstadtbahn Neckar-Alb muss zügig realisiert werden. Die Planung der übrigen Streckenteile muss schnellstmöglich abgeschlossen werden. Darüber hinaus sollte die Landespolitik die Elektrifizierung aller Bahnstrecken in der Region Neckar-Alb, wie zum Beispiel der Hohenzollerischen Landesbahn, der Ermstalbahn und der Ammertalbahn, vorantreiben. Insbesondere für Zubringerstrecken im ländlichen Raum, aber auch für die ergänzende Bedienung innerstädtischer Zentren des Handels, ermöglicht die neue 5G-Technologie den Einsatz fahrerloser Systeme im ÖPNV. Hier müssen innovative Ansätze weiter verfolgt und zügig auf den Markt gebracht werden.

Verkehrspolitik ist Solidarität

Verkehrspolitik ist Solidarität

Die IHK Reutlingen erwartet von den Kandidaten in der Region, dass sie sich nachhaltig für die Realisierung der Ausbauvorhaben auf Schiene und Straßen einsetzen. Auf viele der Projekte wartet die Region nun schon Jahrzehnte. Die wirtschaftliche Entwicklung der Region hängt von der Leistungsfähigkeit ihrer Infrastruktur ab. Leistungsfähige Infrastruktur ist Zukunftssicherheit für alle. Die Forderung nach ihrem Ausbau ist Solidarität mit all ihren Einwohnern.

Breitband und Mobilfunk

Breitband und Mobilfunk

Die IHK spricht sich für eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser und leistungsstarken Mobilfunkangeboten (4G, 5G, DSS) aus. Viele Firmen der Region können die Möglichkeiten datengetriebener Geschäftsmodelle nicht für sich nutzen, weil es an schnellen Datenverbindungen fehlt. Der Fokus sollte daher auf die Versorgung von Unternehmen und Gewerbestandorten gelegt werden. Die Landespolitik sollte die Förderkulisse weiter ausbauen und sich dafür einsetzen, dass geförderte Projekte schneller an den Markt kommen. Dazu müssen Planungsverfahren vereinfacht und Projekte in weniger Verfahrensschritten realisiert werden. Ebenso gilt es, positive Rahmenbedingungen für den Ausbau des Mobilfunknetzes zu schaffen. Hierfür muss die Landesregierung eine „Willkommenskultur“ für die neuen Technologien etablieren.

Tourismus

Tourismus

Die Region Neckar-Alb ist Teil der Destination Schwäbische Alb. Auch hier hat kaum eine Branche so stark unter den Einschränkungen der Coronapandemie gelitten, wie die Tourismuswirtschaft. Sie wird sich daher in Teilen strukturell neu aufstellen müssen. Hier gilt es, insbesondere auch im Bereich des Messe- und Geschäftstourismus, Investitionen durch Förderung zu ermöglichen. Einhergehend mit dem Bedeutungsgewinn des Inlandstourismus hat die Konkurrenz der nationalen Tourismusdestinationen zugenommen. Neue innovative Leuchtturmprojekte in Hotellerie und Gastronomie müssen daher auch von der Landesregierung angeschoben werden, um im deutschlandweiten Wettbewerb um die Gäste weiterhin vorne mitzuspielen. Das Land hat ein richtungsweisendes Tourismuskonzept auf den Weg gebracht, das nun mit den nötigen Mitteln ausgestattet und schnell umgesetzt werden muss. Dies betrifft zum Beispiel den angeregten Abbau von Doppelstrukturen, die kriterienbasierte Vergabe von Marketingmitteln an den Schwäbische Alb Tourismusverband sowie die Ausweitung und Anpassung des Tourismusinfrastrukturförderprogrammes. Bei letzterem sollten die Mittel nicht nur an prädikatisierte Orte vergeben werden. Es ist wichtig, dass innovative Schaufensterprojekte flächendeckend gefördert werden können.

Handel und Innenstadt stärken

Handel und Innenstadt stärken

Die Lage des Handels hat sich dramatisch verschärft. Mit dem Dialogprojekt Handel 2030 wurde bereits vor dem Ausbruch der Coronapandemie ein abgestimmter Fahrplan entwickelt, dessen Maßnahmen konsequent umgesetzt werden müssen. Die An- und Herausforderungen des Handels sollten während und nach der Coronapandemie ganz oben auf der Agenda der Landespolitik stehen – die IHK steht hier als Sparringspartner bereit. Ein Citymanager, der ein Leerstands- und Flächenmanagement vorantreibt, wird auch für Mittel- und Kleinzentren zur Pflicht. Ebenso wie ein Innenstadtkonzept, das auch Gastronomie, Hotellerie, Handel und weitere Dienstleister mitdenkt und eng mit der Verkehrsplanung abgestimmt ist. Die Städtebauförderung wird in Zukunft eine noch stärkere Rolle einnehmen müssen, wenn die Attraktivität der Innenstädte und Ortszentren erhalten werden soll.

Gründerregion Neckar-Alb

Gründerregion Neckar-Alb

Die Region Neckar-Alb ist eine Gründerregion. Wir halten es für notwendig, dass Gründen auf dem Hochschulcampus durch professionelle Beratung unterstützt wird. Bestehende Förderprogramme des Wirtschafts- oder des Wissenschaftsministeriums sollten fortgeführt, bestmöglich aufeinander abgestimmt und regelmäßig evaluiert werden. Die regionale Wirtschaft muss in die Umsetzung weiter einbezogen werden. Das gilt auch für vom Land geförderte Einrichtungen und Projekte, die die Förderung technologischer Schwerpunkte zum Ziel haben. Insgesamt gilt es, das Gründerökosystem weiter zu diversifizieren und zielgruppenspezifischer zu gestalten. Die Vernetzung der Gründer untereinander, mit der regionalen Wirtschaft und mit der Politik muss besonders gefördert werden.

Nachfolgeprogramm fortsetzen

Nachfolgeprogramm fortsetzen

Die Weiterführung von kleinen und mittelständischen Unternehmen durch eine Nachfolge ist wichtig, weil damit Know-how, Innovationskraft und Beschäftigung erhalten werden. Das Land fördert seit einigen Jahren ein entsprechendes Unterstützungsangebot der IHK in der Region Neckar-Alb („Moderation von Unternehmensnachfolgen in kleinen und mittleren Unternehmen 2“). Diese Förderung sollte fortgesetzt werden, da der Generationenwechsel mit Blick auf den demographischen Wandel in den kleinen und mittleren Unternehmen der Region noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Das bestehende Bündnis Unternehmensnachfolge aus IHK, Wirtschaftsförderern, Banken und weiteren Akteuren zeigt, dass das Thema in der Region als Teamwork verstanden wird. 

Flächenentwicklung und Gewerbeflächen

Flächenentwicklung und Gewerbeflächen

Wirtschaft benötigt Raum – auch in Zukunft. Gewerbe, Industrie und Wohnen benötigen geeignete Flächen für ihre Entwicklung. In verdichteten Siedlungsräumen geht das nur in Kooperation von Kommunen mit ihren Nachbargemeinden. Die Landespolitik ist hier gefordert die interkommunale Zusammenarbeit zu fördern und den Blick über den Tellerrand zu schärfen, damit die unterschiedlichen Nutzungsansprüche gleichberechtigt entwickelt werden können. Der Nachnutzung von Brachflächen, ehemaligen Bahn-, Post oder Militärliegenschaften kommt dabei eine Schlüsselrolle zuteil. Dabei müssen auf Landesebene die planungsrechtlichen Voraussetzungen unbürokratisch geschaffen und neue Konzepte zur Flächenaktivierung, in Zusammenarbeit mit den Unternehmen vor Ort, entwickelt werden.

Enge Zusammenarbeit nötig

Enge Zusammenarbeit nötig

Die regionalen Landtagsabgeordneten sind Botschafter von Neckar-Alb in Stuttgart. Mit ihren Vorstellungen und Visionen werden sie die Ausrichtung der Region als zukunftsfähigen Standort prägen. Sie fördern das Verständnis für Wirtschaft im eigenen Wahlkreis. Die IHK wird sie in ihrer Arbeit unterstützen und durch einen intensiven Austausch bei vielen IHK-Formaten, etwa „IHK vor Ort“ oder das Regionalforum, begleiten.

Diana Alam

Diana Alam

Hauptgeschäftsführung
IHK-Zentrale
Position: Leiterin Büro Hauptgeschäftsführung, Leiterin Enterprise Europe Network (EEN)
Schwerpunkte: Politikkontakte, Regionalforum, BWIHK, Medien- und Filmwirtschaft, Koordination "IHK vor Ort"
Telefon: 07121 201-270
Fax: 07121 201-4270
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Christoph Heise

Christoph Heise

Existenzgründung und Unternehmensförderung, Kommunikation
IHK-Zentrale
Position: Bereichsleiter
Schwerpunkte: Pressearbeit, Redaktion "WNA | Wirtschaft Neckar-Alb", Online-Redaktion, Koordination Interessenvertretung
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