Innovationsförderung: Drei Wege zum Erfolg

Nichtvergilbende BH-Schalen. Matthias Conzelmann zeigt das Ergebnis der Forschungs- und EntwicklungsarbeitFoto: Steinhilber

Nichtvergilbende BH-Schalen, metallisierte Holzplatten, hochwertige Designobjekte: Drei Firmen, drei Projekte, die so gar nichts miteinander zu tun haben und sich doch in ähnlich sind. Alle drei entwickeln dank staatlicher Förderung mit Forschungsinstituten neue Produktionsverfahren und Produkte.

Die Karl Conzelmann GmbH & Co. KG in Albstadt hat sich als eingesessener Familienbetrieb auf Damenwäsche spezialisiert. Ihre Hauptmarke „Nina von C.“ wird von 125 Mitarbeitern in Tailfingen designt, gestrickt und zugeschnitten, in Portugal von 65 und in Rumänien von 80 Beschäftigen konfektioniert. Mit 20 Millionen Euro Umsatz jährlich hat sich das Unternehmen fest auf dem europäischen Markt etabliert. Mit modischen und technischen Innovationen soll die Position ausgebaut werden.

Dazu kann ein vom Bund aus dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) gefördertes Projekt beitragen, mit dessen Hilfe sich die Qualität von BH-Schalen verbessern lässt. Gefüttert mit Polyurethanschaum, vergilben sie nach einer gewissen Zeit. Dies abzustellen hat sich Geschäftsführer Matthias Conzelmann, 41, nach einem Vortrag über Faserverbundstoffe an der Reutlinger Hochschule vorgenommen – und in die Tat umgesetzt. „Wir stehen kurz vor dem Durchbruch“, stellt er fest, und lobt das Kooperationsprojekt, das er mit der Karlsruher Fiber-Engineering und dem Reutlinger Research Institute (RRI) angestoßen hat. Faserverbundstoffe statt PU-Schaum: Darum geht’s. Ziemlich rasch hat man Prototypen entworfen. Waschbeständig ist der neue BH-Typ schon. „Jetzt geht es noch um Verarbeitung, Optik und Haptik.“ Läuft alles optimal, könnten die ersten PU-Schaum-freien BHs 2017 ausgeliefert werden.

Die Joachim Caps Oberflächentechnik e. K. in Reutlingen profitiert von einem mit 3.200 Euro dotierten Innovationgutschein des Landes Baden-Württemberg. Der gelernte Industriekaufmann Caps, 52, hat sich vor 13 Jahren selbständig gemacht. Als Spezialist für Oberflächentechnik gehört in das Produktportfolio alles Metallische, das sich elektrostatisch beschichten lässt, darunter Maschinenverkleidungen, Kranfahrerkabinen und Bereiche im Messebau.

Aus Gedanken in die Umsetzung
Künftig wird Caps auch mitteldichte Holzfaserplatten mit metallischem Glanz versehen, was ohne Forschungsarbeit so nicht möglich gewesen wäre. Den Gedanken wälzte er schon länger. Dass er nun in die Tat umgesetzt wird, verdankt er auch der IHK Reutlingen. „Im November 2014 fragte die IHK, ob ich Interesse an Fördermitteln hätte“ – und die IHK half auch mit, den Antrag an das Land auszufertigen. Bei der Technicum GmbH in Bochum ließ Caps Muster herstellen, das Naturwissenschaftliche und Medizinische Institut in Reutlingen (NMI) prüfte die Qualität des Produkts, beispielweise daraufhin, ob die Brandschutzklasse stimmt oder die metallische Beschichtung den Raum abhörsicher macht. Denn das Produkt kann sowohl für Wandverkleidungen als auch dekorative Zwecke wie Möbel verwendet werden. „Ich habe bereits Möbelhäuser angesprochen, und die haben Interesse bekundet.“ Ansonsten gilt es, „die Klientel für metallisierte Substitute zu interessieren“.

Mille Fiabe heißt übersetzt Tausend Märchen. Im Jahre 2011 gründete Katrin Ruoffner, 36, die Marke, die für die Konzeption und manuelle Anfertigung künstlerisch inspirierter Designobjekte im exklusiven Interior steht. An der Reutlinger Hochschule hat Ruoffner Textildesign studiert und dem Dipl.-Ing. noch den Master draufgesetzt. Exklusivität ist ihr Markenzeichen, mit dem sie zuvor im Color & Trim Design der Automobilindustrie, zuletzt bei der Marke Bugatti, reüssierte.

Unterstützung für Kreative
Doch stärker als das sichere Gehalt erwies sich die Idee: Geschichten und Inszenierungen als Dioramen auf hochwertige Lifestyle-Produkte zu übertragen. In ihrer Tübinger Manufaktur werden die filigranen Elemente, geschliffenes Echtglas, gebürsteter Edelstahl, Weißglasspiegel, facettierte Kristallglas-Steine und Miniatur-Figuren im Maßstab 1 zu 87 von Hand veredelt und zu Wohnschmuck zusammengefügt.

Ruoffner profitiert von einem mit 5.000 Euro dotierten Innovationsgutschein C für kreative Leistungen und den Innovationsgutscheinen A und B für wissenschaftliche Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten mit zusammen 7.500 Euro. Die sich daraus ergebende Zusammenarbeit mit dem NMI in Reutlingen und dem Fraunhofer IPA Stuttgart hat mittlerweile reife Früchte getragen. Gilt es beim NMI unter anderem, optimale Fügetechniken zu entwickeln, liegt der Schwerpunkt beim Fraunhofer-Institut auf optimalen Arbeitsabläufen. „Mille Fiabe profitiert sehr von dieser tollen Zusammenarbeit.“

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