Energieaudits: Wer ist betroffen?

Mit der Neufassung des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G) müssen größere Unternehmen künftig so genannte „Energieaudits“ durchführen.

Betroffen sind Firmen mit als 250 Mitarbeitern oder einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro oder einer Jahresbilanzsumme von mehr als 43 Millionen Euro. Sie müssen erstmalig bis zum 5. Dezember 2015 ein Energieaudit durchführen lassen. In der Folge muss ein Energieaudit mindestens alle vier Jahre erfolgen.

Durch die Energieaudits soll den Unternehmen ein Instrument an die Hand gegeben werden, ihren Energieverbrauch zu analysieren und bewusste Entscheidungen über die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen zu treffen. Das Energieaudit muss dabei den Anforderungen aus der DIN 16247-1 genügen. Die Norm sieht eine Bestandaufnahme aller eingesetzten Energieträger und Energieverbraucher inklusive Vor-Ort-Begehungen an allen Standorten vor. Das Audit kann sowohl von externen Beratern oder Dienstleistern als auch von unternehmenseigenem Personal durchgeführt werden.

Auf Basis einer Darstellung der Energieflüsse sollen dann wirtschaftliche Effizienzmaßnahmen abgeleitet werden. Allerdings ergibt sich aus dem Energieaudit und dem EDL-G keine Verpflichtung zur Umsetzung einzelner Maßnahmen. Die Entscheidung hierüber obliegt dem jeweiligen Unternehmen unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und beispielsweise bestehender Investitionszyklen. Unternehmen können zudem alternativ ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS einführen. In diesen Fällen bleibt den Unternehmen bis zur vollständigen Umsetzung der Systeme Zeit bis zum 1. Januar 2017. 

Alle Branchen betroffen

Die Verpflichtung zum Energieaudit ist tatsächlich nicht an eine Branchenzugehörigkeit oder Rechtsform gekoppelt, sondern erwächst ausschließlich aus der Überschreitung der genannten Schwellenwerte. Betroffen sind dabei auch Partnerunternehmen, die über eine finanzielle Beteiligung von mindestens 25 Prozent anteilig oder sogar vollständig zusammen veranschlagt werden.

Damit sind sowohl Unternehmen des produzierenden Gewerbes betroffen, etwa auch Versicherungen, Banken oder Hotelketten. Aber auch Stadtwerke oder Krankenhäuser können in den Anwendungsbereich fallen. Nach Schätzungen des DIHK sind bundesweit 50.000 bis 120.000 Unternehmen in Deutschland von der Regelung betroffen.

Die Zeit drängt

Aus Sicht der IHK-Experten drängt die Zeit. Jedes Unternehmen sollte zunächst klären, ob es in den Anwendungsbereich der neuen Regelung fällt und wie das Unternehmen der Verpflichtung sinnvollerweise nachkommen kann.

Die Durchführung des Energieaudits kann zunächst ein Schritt sein, um Rechtskonformität sicherzustellen. Größere Unternehmen oder Unternehmensverbünde, zumal wenn sie Standorte im Ausland unterhalten oder bereits über Managementsysteme und Erfahrungen mit deren Systematik verfügen, sollten ernsthaft die Einführung eines Energie- oder EMAS-Umweltmanagementsystems prüfen. Aufgrund der hohen Zahl betroffener Unternehmen ist auch mit einer hohen Auslastung bei den qualifizierten Beratern zu rechnen.

Ihr Ansprechpartner

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IHK Reutlingen Bereich: Innovation und Umwelt
Position: KEFF-Effizienzmoderator, Referent Umwelt und Energie
Schwerpunkte: Energieeffizienzberatung, Kreislaufwirtschaft, Arbeitsschutz, IHK-Netzwerk Umwelt
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