Energiedienstleistungsgesetz und Energieaudit

Das Energiedienstleistungsgesetz verpflichtet große Unternehmen seit Ende 2015, Energieaudits durchzuführen. In 2019 und 2020 stehen turnusgemäß Wiederholungsaudits an.

Energieaudits ermitteln, wieviel Energie in den einzelnen Unternehmensbereichen verbraucht wird. Die Energieauditpflicht zielt darauf ab, Energieeffizienzpotenziale in Unternehmen aufzuzeigen. Sollten dem Audit konkrete Maßnahmen folgen, können Energie und Kosten eingespart werden. Gesetzliche Grundlage der Energieauditpflicht ist das Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G). Dieses verpflichtet große Unternehmen beziehungsweise Nicht-KMU zur Durchführung eines Energieaudits.
Die drei entscheidenden Kriterien der KMU-Definition (= Kleinstunternehmen, kleine und mittlere Unternehmen) sind: 

  • Mitarbeiterzahl
  • Jahresumsatz
  • Jahresbilanzsumme

In die Kategorie der KMU fallen Unternehmen, die

  • weniger als 250 Personen beschäftigen und
  • einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro erzielen oder deren Jahresbilanzsumme sich auf höchstens 43 Millionen Euro beläuft.

Aber Vorsicht! Unternehmen, die die oben genannten Kriterien auf den ersten Blick erfüllen, können dennoch der Energieauditpflicht unterliegen. Einen Leitfaden zur detaillierten Definition von KMU gibt es auf der Website des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Fristen

Die Frist zur Umsetzung des ersten Audits endete am  5. Dezember 2015. Turnusgemäß muss das Audit alle vier Jahre wiederholt, gerechnet vom Zeitpunkt des letzten Energieaudits, und von einem qualifizierten und akkreditierten Energieauditor durchgeführt werden. Die Durchführung der Audits wird stichprobenhaft vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) kontrolliert. Bei einer Nachfrage der Behörde müssen Unternehmen einen aktuellen Bericht, das heißt nicht älter als vier Jahre, vorlegen können.

90-Prozent-Regel und Freistellungen

Es gilt die „90-Prozent-Regel“. So müssen 90 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs durch ein Audit erfasst werden. Unternehmen mit mehreren Standorten können diejenigen Standorte, die weniger als zehn Prozent des Gesamtenergieverbrauchs ausmachen, vom Energieaudit ausnehmen. Außerdem können Unternehmen vergleichbare Standorte zu einem Cluster zusammenfassen und somit eine kleinere Anzahl repräsentativer Standorte auditieren.

Unternehmen, die nach §8 EDL-G ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS betreiben, mit dem mindestens 90 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs erfasst werden, sind von der Auditpflicht freigestellt.

Leitfäden und Auditbericht

Als Hilfestellung zur Erstellung von Energieauditberichten nach DIN EN 16247-1 bietet das BAFA in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) einen Leitfaden. Weiterhin gibt es ein Merkblatt zu den Grundlagen und allgemeinen Fragen rund um die Energieauditpflicht. Zur BAFA-Website:

Wesentliche Änderungen 2019 erwartet

Aktuell befindet sich ein Änderungsgesetz des EDL-G im Gesetzgebungsprozess, den Entwurf gibt es auf der Website des Bundesrats. Im Gesetzentwurf sind insbesondere folgende wesentliche Änderungen vorgesehen:

  • Bagatellgrenze:  „Ferner sind Unternehmen von der Pflicht freigestellt, deren Gesamtenergieverbrauch […] im Jahr 500.000 Kilowattstunden oder weniger beträgt.“ Dabei ist ein Nachweis über das Vorliegen der Freistellungsvoraussetzungen an das zu BAFA übermitteln.
  • Elektronisches Tool für eine Onlineerklärung: Unternehmen müssen in diesem Tool ausgewählte Eckdaten an das BAFA übermitteln. Dies gilt auch für Unternehmen unterhalb der Bagatellgrenze – diese müssen jedoch ausschließlich den Energieverbrauch melden. Die Unterlagen / Daten sind nicht öffentlich, sondern nur vom BAFA einsehbar.
  • Fachkenntnisse und Weiterbildung: Für qualitativ hochwertige Energieaudits werden Energieauditoren verpflichtet, die erforderlichen Fachkenntnisse durch regelmäßige Fortbildungen auf dem aktuellen Stand der Technik zu halten und dies dem BAFA gegenüber regelmäßig nachzuweisen.
  • Unternehmen, die freiwillig mit der Einführung eines Energie- oder Umweltmanagementsystems vor dem fälligen Wiederholungsaudit begonnen haben, sollen weiterhin in der Einführungsphase von der Energieauditpflicht befreit bleiben.

Der Bundestag hat in seiner Sitzung am 27. Juni 2019 die Änderung des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen beschlossen. Der Bundesrat wird am 20. September 2019 über die Änderungen beraten. Mit einem Inkrafttreten wird im Oktober gerechnet.

Ihr Ansprechpartner

IHK-Haus der Wirtschaft
IHK Reutlingen Bereich: Innovation und Umwelt
Position: Projektmanager Energie und Umwelt
Schwerpunkte: Kompetenzstelle Energieeffizienz (KEFF) der Region Neckar-Alb
Telefon: 07121 201-203
Fax: 07121 201-4203
E-Mail schreiben
vCard herunterladen