Kombi zur Karriere

Markus Hellstern (links) und Marcus Lehrmann machen beim Junginger Spindelhersteller Diebold ein Kombistudium, dem Ausbildungsbetrieb fühlen sie sich eng verbunden und wollen nach dem Bachelor karrieremäßig durchstarten. Foto: Joachim Baier

Mit dem Kombistudium profitieren alle Beteiligten: Jungen Leuten bietet die Ausbildung mit gekoppeltem Studium hervorragende Karrierechancen. Firmen setzen mit den praxisfähigen Studierenden auf die motivierten Nachwuchskräfte von morgen.

Mit dem Kombistudium, das an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen in Kooperation mit der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Balingen angeboten wird, lassen sich diese Vorzüge alle unter einen Hut bekommen. In nur viereinhalb Jahren können Abiturienten einen Bachelor-Abschluss und einen IHK-Berufsabschluss erreichen. Danach sind die Weichen gestellt für eine steile Karriere im Ausbildungsbetrieb.

„Den größten Vorteil des Kombistudiums sehen wir in der engen Kooperation und Abstimmung der drei Lernorte Berufsschule, Hochschule und Unternehmen. Davon profitieren alle Beteiligten, am meisten die jungen Menschen selbst“, formuliert Dr. Thomas Lindner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Groz-Beckert KG in Albstadt. „Zudem können wir unsere Kombistudenten, im Gegensatz zu einem „normalen“ Studenten, eigenständig auswählen und dabei schon gezielt auf die für uns wichtigen Eigenschaften abzielen.“ Durch die hervorragende Betreuung in den verschiedenen Lernorten würden auch echte „High-Potentials“ erreicht, die es normalerweise eher an eine Spitzenuniversität ziehen würde, hat Lindner festgestellt. Und das spiegeln dann die Ergebnisse wider: „Die Kombis, wie sie im Sprachgebrauch genannt werden, sind im Schnitt - gemessen an den Noten - deutlich besser als ihre Mitkommilitonen“, bemerkt der Unternehmer.

Jung-Ingenieure mit breitem Rüstzeug

Groz-Beckert benötigt Jung-Ingenieure mit einem breiten Rüstzeug und praktischer Erfahrung. Und da sei die im Modell integrierte IHK-Ausbildung zum Industriemechaniker beziehungsweise zum Fachinformatiker ein deutlicher Vorteil. „Der starke Praxisbezug und die unmittelbare Berufsfähigkeit nach Ausbildung und Studium sind unschlagbare Argumente, die für das Kombistudium sprechen“, ist Lindner überzeugt. Nachholbedarf sieht der Geschäftsführer von Groz-Beckert teilweise in den angebotenen Fächerkombinationen: Lean Management, Projektmanagement, Sprachen und der Einsatz kommerzieller Software, wie zum Beispiel SAP, seien noch ausbaufähig.

Stephanie Feldberger ist Kombistudentin bei der Firma Gühring, Hersteller von Präzisionswerkzeugen in Albstadt, diesen Berufseinstieg würde die 21-Jährige auf jeden Fall wieder so wählen.Foto: Joachim Baier

Groz-Beckert zählte  2002 zu den treibenden Kräften bei der Einführung des Kombistudiums. Seither werden für die Bereiche Technische Informatik und Maschinenbau jährlich vier bis sechs Kombistudenten eingestellt. Und machen die auch Karriere? „Rein auf die Absolventen des Kombistudiums bezogen, sind wir mit deren Leistung als Ingenieure in den verschiedenen Bereichen im In- und Ausland sehr zufrieden. Einige von ihnen haben bereits als Gruppenleiter, Abteilungsleiter oder Werksleiter Verantwortung übernommen“, sagt Lindner.

Größerer Praxisbezug

Auch in anderen Betrieben der Region setzt man auf motivierte Kombistudenten: Markus Lehrmann und Markus Hellstern starteten im Herbst 2012 mit ihrer Ausbildung beim Junginger Spindelhersteller Diebold. Während des Kombistudiums waren sie abwechselnd für längere Phasen im Betrieb und an der Hochschule. Beide sind vom Kombistudium begeistert. „Das Verständnis für den Lehrstoff geht deutlich tiefer und man bekommt einen ganz anderen Praxisbezug“, hat Lehrmann festgestellt. Seit Januar 2015 haben die beiden ihren Facharbeiterbrief zum Industriemechaniker in der Tasche. Und mittlerweile sind sie auch an der Hochschule auf der Zielgeraden: Zurzeit läuft das Projekt für die Bachelor-Prüfung an – von ihren innovativen Ideen wird in erster Linie der Ausbildungsbetrieb profitieren. „Die Kombistudenten sind reifer als die normalen Azubis, sie lernen schneller“, hat Herbert Reiber, Ausbildungsleiter bei Diebold beobachtet.

Unter 3 700 Studenten an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen sind etwa 60 Kombistudenten. Viele Hochschulen hätten ähnliche Modelle, informiert Rektorin Dr. Ingeborg Mühldorfer, „die firmieren nur immer unter anderen Namen.“ Vorbild für solche ausbildungsintegrierende Studiengänge in Baden-Württemberg ist das „Ulmer Modell“, ein vergleichbares „Reutlinger-Modell“ existiert ebenfalls. Leider sei das Kombistudium, das seit 16 Jahren an der Hochschule angeboten wird, bei vielen Unternehmen in der Region zu wenig bekannt, bedauert Ingeborg Mühldorfer.

Kaum Abbrecher

„Die Studierenden bekommen bei uns im Unterschied zum Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zwei vollwertige berufsbefähigende Abschlüsse“, nennt Professor Dr. Hans-Joachim Illgner von der Fakultät Maschinenbau einen der entscheidenden Vorzüge des Kombistudiums. „Die Abbrecherquote geht stark gegen Null“, sagt Eugen Straubinger, Leiter der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule. „Das sind sehr motivierte Studenten“, bemerkt Ingeborg Mühldorfer und verweist auf die anwendungsorientierte Forschung an ihrer Hochschule. Insbesondere für das mittlere und gehobene Führungsmanagement würden Betriebe ihren Nachwuchs gerne mit Kombistudenten selber ausbilden, erläutert Straubinger.

Stephanie Feldberger hat das zweite Semester hinter sich und steht kurz vor der Facharbeiter-Abschlussprüfung bei Gühring, Hersteller von Präzisionswerkzeugen in Albstadt. „Bis wir ausgelernt haben bekommen wir eine ganz normale Ausbildungsvergütung, wie andere Azubis auch. Für die letzten vier Semester erhalten wir von unserem Ausbildungsbetrieb ein Stipendium.“ In der Regel beträgt das etwa 450 Euro. „Für mich reicht das aus“, erklärt die 21-jährige aus Burladingen, „ich wohne noch zu Hause und konnte während der Ausbildung etwas ansparen.“ Die Kombistudentin würde diesen Berufseinstieg auf jeden Fall wieder so wählen.  

Info:

Ein Kombistudium verknüpft Ausbildung und Studium. An der Hochschule Albstadt-Sigmaringen und der Philipp-Matthäus-Hahn Schule in Balingen werden verschiedene Fachrichtungen angeboten: Industriemechaniker kombiniert mit Maschinenbau, Material and Process Engineering oder Wirtschaftsingenieurwesen. Elektriker und Fachinformatiker können Technische Informatik studieren. Für Bankkaufleute gibt es den passenden Studiengang Betriebswirtschaftslehre. Voraussetzung für das Kombistudium ist Abitur oder Fachhochschulreife. Die Ausbildung beginnt jährlich Anfang September. Die Bewerbung fürs Kombistudium erfolgt ausschließlich über den Ausbildungsbetrieb.

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