Sitzung des IHK-Gremiums Tübingen
Wirtschaft und Verwaltung wollen Bürokratie gemeinsam abbauen

Die Ausgangslage ist seit Langem bekannt: Unternehmen und Verwaltungen sehen sich mit einer wachsenden Zahl an Regelungen, Nachweispflichten und langwierigen Verfahren konfrontiert. „Weiter kommen wir nur im Schulterschluss. Entscheidend ist, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Verständnis für die jeweiligen Herausforderungen aufzubauen“, betonte Dr. Daniela Eberspächer-Roth, Vorsitzende des IHK-Gremiums Tübingen.
Sie sprach sich zugleich für mehr Offenheit und Handlungsspielräume bei Entscheidungen aus: „Es braucht eine neue Kultur des Miteinanders. Innovation entsteht dort, wo gemeinsam Ideen entwickelt, Erfahrungen gesammelt und erfolgreiche Ansätze weiterentwickelt werden.“
Perspektivenwechsel für Führungskräfte und Azubis
Um die Sichtweisen der jeweils anderen Seite besser kennenzulernen, vereinbarten die Beteiligten, den Austausch zwischen Verwaltung und Unternehmen weiter zu intensivieren. Geplant sind Praktika, bei denen Entscheider aus Unternehmen und Verwaltung Einblicke in die Arbeitswelt des jeweils anderen erhalten. Führungskräfte des Landratsamts besuchen bereits regelmäßig Unternehmen in der Region. Nach Vorstellung von Landrat Bednarz könnte dieses Angebot künftig auch auf Auszubildende ausgeweitet werden.
Umdenken als Schlüssel
Diskutiert wurden außerdem aktuelle politische Initiativen wie das geplante Regelungsbefreiungsgesetz sowie das angekündigte Effizienzgesetz der neuen Landesregierung. Die Erwartungen an deren Wirkung blieben jedoch verhalten. „Es ist zu viel Kleinklein“, sagte Bednarz. „Entscheidend ist ein gemeinsames Umdenken. Wie im jetzigen Koalitionsvertrag von Grün-Schwarz formuliert: Weg von einem ‚Nein, weil‘ hin zu einem ‚Ja, wenn‘“, erklärte Eberspächer-Roth. Landrat Bednarz stellte zudem die grundsätzliche Systemfrage. Angesichts knapper Kassen seien klare Prioritäten gefragt – ebenso die Diskussion darüber, welche Aufgaben der Staat künftig übernehmen solle. „Am Ende zählt die Frage: Was wollen wir erreichen? Und nicht: Das haben wir schon immer so gemacht.“
