Sitzung des IHK-Gremiums Tübingen
Wirtschaft fordert mehr Tempo aus Berlin
Der Bundestagsabgeordnete Christoph Naser (l.) zu Gast im IHK-Gremium Tübingen. Er diskutierte mit der Vorsitzenden Dr. Daniela Eberspächer-Roth und Gastgeber Dr. Dirk Biskup, Geschäftsführer der CeGaT GmbH, und weiteren Unternehmerinnen und Unternehmern über wirtschaftspolitische Herausforderungen.Dr. Daniela Eberspächer-Roth, Vorsitzende des IHK-Gremiums Tübingen und Mitglied des IHK-Präsidiums, zog in ihrer Begrüßung eine erste Bilanz zur Wirtschaftspolitik der Bundesregierung: „Wir sehen erste Signale in die richtige Richtung. Aber es muss deutlich schneller gehen.“
Energie bleibt Standortproblem
Die Unternehmerinnen und Unternehmer fordern den Abbau von Berichts- und Nachweispflichten, Entlastungen bei Steuern und Lohnnebenkosten sowie eine Flexibilisierung der Arbeitszeit. Als besonders dringliches Thema bewerteten die Gremiumsmitglieder die hohen Energiepreise. Sie sind insbesondere für energieintensive Betriebe ein erheblicher Wettbewerbsnachteil am Standort Deutschland. Zugleich wünschen sich die Unternehmen bei politischen Entscheidungen mehr fachliche Expertise. Viele Themen seien komplex, pauschale Lösungen würden den unterschiedlichen betrieblichen Anforderungen oft nicht gerecht. Das zeigt sich etwa bei der Arbeitszeit. „Wir brauchen Regelungen, die in der Praxis funktionieren und Innovationen ermöglichen“, sagte Eberspächer-Roth.
Mehr unternehmerische Perspektive
Christoph Naser, der im Mai in den Deutschen Bundestag nachgerückt ist und den Wahlkreis Tübingen vertritt, berichtete nach rund 100 Tagen im Amt von seinen ersten Erfahrungen in Berlin. Er wolle für die Unternehmen der Region ansprechbar sein und ihre Interessen vertreten. „Wir brauchen die unternehmerische Perspektive, die unser politisches Handeln flankiert“, sagte Naser. In seinen Gesprächen mit Unternehmen und Bürgern nehme er viele Sorgen wahr, nicht zuletzt angesichts der geopolitischen Lage. Umso wichtiger sei der Fokus auf die soziale Marktwirtschaft, auf Wettbewerbsfähigkeit und offene Märkte. Naser begrüßte deshalb, dass Deutschland und Europa weiter auf Freihandelsabkommen setzen. Für die Region Neckar-Alb mit einer Exportquote von rund 60 Prozent sei der Zugang zu internationalen Märkten von besonderer Bedeutung.
Genetische Diagnostik aus Tübingen
Gastgeber Dr. Dirk Biskup, Geschäftsführer der CeGaT GmbH, gab Einblicke in sein Unternehmen, das auf genetische Diagnostik und Next-Generation Sequencing spezialisiert ist und genetische Veränderungen unter anderem bei seltenen Erkrankungen und Tumorpatienten untersucht. Das Tübinger Unternehmen sieht sich durch bürokratische Vorgaben und Nachweispflichten gebremst. Biskup verwies auf die USA, wo er sowohl bei Behörden als auch bei Investoren eine größere Offenheit für Forschung und die Entwicklung von Medikamenten wahrnehme. Daher plant eine Tochtergesellschaft der CeGaT die Durchführung einer klinischen Studie in den USA.
IHK-Service
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