Zahl der neuen Ausbildungsverträge geht zurück
Unternehmen investieren weiter in den Fachkräftenachwuchs
Foto: CardIrin/Shutterstock.comDie IHK Reutlingen verzeichnet zum Start des neuen Ausbildungsjahrs 1.754 neue Ausbildungsverträge in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb. Im Vorjahr waren es 1.897. Während die Zahl der technisch-gewerblichen Ausbildungsverträge um 14,9 Prozent auf 640 zurückging (2025: 752), blieb sie bei den kaufmännischen Berufen mit einem Minus von 2,7 Prozent auf 1.114 Verträge relativ stabil (2025: 1.145). „Der Rückgang überrascht uns nicht. Der wirtschaftliche Wandel und weniger Schulabgänger verändern den Ausbildungsmarkt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp. „Entscheidend ist aber: Die Unternehmen investieren trotz schwieriger Zeiten weiter in die Fachkräfte von morgen. Dieses Engagement braucht gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ein Bildungssystem, das junge Menschen bestmöglich auf Ausbildung und Beruf vorbereitet.“
Beliebte Berufe und internationale Auszubildende
Die Vielfalt des Ausbildungsmarktes zeigt sich auch bei den Berufen mit den meisten Neuverträgen. Zu den gefragtesten Ausbildungsberufen zählen bei den technisch-gewerblichen Berufen Industriemechaniker/-innen (133 Neuverträge), Fachinformatiker/-innen (108) und Mechatroniker/-innen (77). Bei den kaufmännischen Berufen führen Industriekaufleute (151) die Statistik an, gefolgt von Kaufleuten im Einzelhandel (139) sowie Bankkaufleuten (111). Auch internationale Auszubildende leisten einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Region. Von den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen entfallen 285 auf junge Menschen aus dem Ausland, darunter 74 aus EU-Mitgliedstaaten und 211 aus Drittstaaten. Das entspricht einem Anteil von rund 16 Prozent aller neu abgeschlossenen Verträge.
Rückgang hat verschiedene Ursachen
Mehrere Faktoren beeinflussen derzeit den Ausbildungsmarkt. Viele Unternehmen befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Einzelne größere Ausbildungsbetriebe bilden deshalb nicht oder nur eingeschränkt aus. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Ausbildungsplätze trotz hoher Ausbildungsbereitschaft nicht mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern besetzen können. Insgesamt verfügen 2.996 Unternehmen in der Region über eine Ausbildungsberechtigung. Davon bilden aktuell 1.214 Betriebe aktiv aus. „Gerade weil viele Ausbildungsplätze schwer zu besetzen sind, ist eine gute Berufsorientierung wichtiger denn je. Sie beginnt nicht erst kurz vor dem Schulabschluss. Wer früh verschiedene Berufe kennenlernt und Praxiserfahrungen sammelt, trifft meist die bessere Entscheidung – davon profitieren Jugendliche und Unternehmen gleichermaßen“, sagt Thorsten Leupold, Bereichsleiter Ausbildung bei der IHK Reutlingen.
Auch der demografische Wandel macht sich zunehmend bemerkbar: Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger in der Region Neckar-Alb um 16,3 Prozent zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge nahezu im gleichen Umfang – von 2.267 zum Ausbildungsstart 2015 auf 1.897 im Jahr 2025 (-16,3 Prozent).
Wer zum Ausbildungsstart noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, sollte die Suche nicht aufgeben. Viele Unternehmen bieten auch jetzt noch Einstiegsmöglichkeiten. Freie Ausbildungsplätze finden Interessierte in der IHK-Lehrstellenbörse auf www.meine-ausbildung-in-deutschland.de.
Landkreis Reutlingen
Im Landkreis Reutlingen wurden zum Start des neuen Ausbildungsjahrs 791 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 7,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Während die Zahl der technisch-gewerblichen Ausbildungsverträge um 18,3 Prozent auf 273 zurückging, blieb sie bei den kaufmännischen Berufen mit 518 Neuverträgen auf Vorjahresniveau. Auffällig entwickelten sich das Versicherungswesen (+133,3 Prozent) und das Baugewerbe (+88,9 Prozent). Rückläufig waren insbesondere Papier und Druck (-35,7 Prozent), die Berufe der Chemie, Physik und Biologie (-27,8 Prozent) sowie die Elektrotechnik (-22,0 Prozent).
Landkreis Tübingen
Im Landkreis Tübingen wurden 424 neue Ausbildungsverträge eingetragen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von 13,8 Prozent. Die technisch-gewerblichen Berufe gingen um 14,2 Prozent auf 151 Neuverträge zurück, die kaufmännischen Berufe um 13,6 Prozent auf 273. Positiv entwickelten sich das Verkehrs- und Transportwesen (+58,3 Prozent) sowie die Elektrotechnik (+23,3 Prozent). Deutliche Rückgänge verzeichneten dagegen das Baugewerbe (-66,7 Prozent), die Metalltechnik (-29,4 Prozent) und die kaufmännischen Industrieberufe (-20,6 Prozent).
Zollernalbkreis
Im Zollernalbkreis blieb die Zahl der neuen Ausbildungsverträge mit 539 nahezu auf Vorjahresniveau (-1,6 Prozent). Während die technisch-gewerblichen Berufe um 10,7 Prozent auf 216 Neuverträge zurückgingen, legten die kaufmännischen Berufe um 5,6 Prozent auf 323 Verträge zu. Besonders positiv entwickelten sich das Baugewerbe (+225,0 Prozent), das Hotel- und Gaststättengewerbe (+69,2 Prozent) sowie der Handel (+17,0 Prozent. Rückläufig waren dagegen die Papier- und Druck-Berufe (-33,3 Prozent), die Elektrotechnik (-18,3 Prozent) und die Metalltechnik (-14,5 Prozent).
