Brexit-Auswertung

Trennungsschmerz hält an

Der Brexit macht den deutschen Unternehmen auch einem Jahr nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs (UK) aus dem europäischen Binnenmarkt stark zu schaffen. Das zeigt eine Sonderauswertung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Rahmen der bundesweiten IHK-Umfrage "Going International 2022".

Trennungsschmerz hält anBild: AlexLMX / iStockphoto.com

Für die Erhebung waren Anfang Februar – und damit noch vor dem russischen Angriff in der Ukraine – knapp 1.500 deutsche Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zu Großbritannien befragt worden. Mehr als zwei Drittel der Betriebe mit UK-Geschäft beklagen der Erhebung zufolge Zollbürokratie, mehr als die Hälfte direkt auf den Brexit zurückgehende Logistikprobleme und knapp die Hälfte die Zunahme tarifärer Handelshemmnisse. Allerdings melden insgesamt etwas weniger Unternehmen als ein Jahr zuvor Auswirkungen durch den Brexit.

Handelsabkommen und Nordirlandprotokoll "auf tönernen Füßen"
"Wir sind weit davon entfernt, von einer Normalisierung der deutsch-britischen Handelsbeziehungen zu sprechen", sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Das auf den letzten Drücker zwischen der EU und UK geschlossene Handelsabkommen hat zwar extreme Zollhürden und Marktbarrieren verhindert, für die Unternehmen kann es aber die Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt bei Weitem nicht ersetzen. Zudem stehen das Handelsabkommen sowie das Nordirlandprotokoll weiterhin auf tönernen Füßen. Großbritannien stellt die Vereinbarungen immer wieder infrage und damit auch gewachsene Geschäftsbeziehungen. Der Brexit erzeugt insofern leider eine anhaltende Planungs- und Rechtsunsicherheit für international aktive deutsche Unternehmen, insbesondere für die mittelständische Wirtschaft."

Deutsche Wirtschaft investiert in Summe 160 Milliarden Euro
Nach wie vor erwägt jedes siebte in Großbritannien investierende deutsche Unternehmen eine Verlagerung seiner Aktivitäten von der Insel weg. Hauptdestination ist Deutschland, aber auch andere EU-Länder sowie die Schweiz oder Norwegen werden für das Rückholen von Produktion und Standorten erwogen.

Insgesamt hat die deutsche Wirtschaft mit mehr als 160 Milliarden Euro im Vereinigten Königreich investiert. Das Land ist damit nach den USA der wertmäßig zweitgrößte Investitionsstandort deutscher Unternehmen weltweit. In rund 2.200 deutschen Niederlassungen auf der britischen Insel sind über 400.000 Mitarbeiter beschäftigt. "Der Brexit hat den deutsch-britischen Handel in den vergangenen fünf Jahren stark getrübt", so Treier. "Aktuell rangiert Großbritannien nur noch auf Platz 10 unter Deutschlands wichtigsten Handelspartnern. 2017 lag es noch auf Platz 5."

Die kompletten Umfrageergebnisse können Sie hier im PDF-Format abrufen:

DIHK-Sonderauswertung Going International zum Brexit (PDF, 458 KB)

Info-Veranstaltung
Ab dem 1. Januar 2023 müssen alle aus der EU nach Großbritannien (England, Wales und Schottland) exportierten Produkte den einschlägigen britischen Vorschriften und Normen entsprechen. Die CE-Kennzeichnung wird in Großbritannien nicht mehr gültig sein. Kennzeichnungspflichtige Produkte müssen künftig mit dem „UKCA-Label“ versehen werden. Unser Webinar am 19. Juli gibt einen Überblick für die Praxis und zeigt auf, welche konkreten Schritte zu unternehmen sind und welche Erfahrungen es bereits gibt. Anmeldung.

Martin Fahling

Martin Fahling

International
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Schwerpunkte: Grundsatzfragen, Außenwirtschaftspolitik, Beratungen
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