Beispiele aus Tübingen, Rangendingen und von der Schwäbischen Alb

So schaffen Unternehmen Wohnraum

Wie und wo schafft man Wohnraum für Fachkräfte? Bei der IHK stellten heimische Unternehmen und Einrichtungen vor, wie sie Mitarbeiterwohnen angehen.

So schaffen Unternehmen WohnraumSo schafft man Wohnraum: Tübingens Baubürgermeister Cord Soehlke, Daniel Zimmermann (CFO von Erbe Elektromedizin), Helena Beck (BeckaBeck), Dr. Peter Hettenbach (Institut für Immobilien und Bewertungswesen), Dr. Tobias Schneider (Bereichsleiter Betrieb und Logistik beim UKT), Matthias Gütschow (Architekturbüro) und Antonia Hettinger (IHK-Immobilienexpertin), zeigten Beispiele auf.

„Es wird in der Region zu wenig gebaut“, sagte IHK-Immobilienexpertin Antonia Hettinger bei der Begrüßung vor 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der IHK. Im Jahr 2024 wurden 1.886 neue Wohnungen fertiggestellt. Den Bedarf schätzt die IHK allerdings auf 3.000 bis 3.500 Wohnungen und das jährlich. 

Die Zahlen bestätigte auch Dr. Peter Hettenbach vom Institut für Immobilien und Bewertungswesen. „Wohnungen sind mittlerweile viel zu teuer“, so der Experte. „Wir müssen die Kosten herunterbringen und gleichzeitig über PV-Anlagen und Einspeisung für Einnahmen sorgen.“ Dabei sollte aus seiner Sicht der Fokus auf Bestandsimmobilien liegen. „Das neue Eigenheim wird absehbar zum Luxus.“ 

Wohnungen sind längst auch zum Faktor für heimische Arbeitgeber geworden. Finden neue Mitarbeiter oder auch Auszubildende eine Bleibe, wenn sie in die Region kommen? Viel zu oft klappt das wohl nicht. So wird am Tübinger Universitätsklinikum (UKT) derzeit ein Komplex mit 520 Wohneinheiten fertig gestellt. 73 Millionen Euro musste das UKT dafür finanzieren und kann nach der Fertigstellung Anfang Dezember jeweils zur Hälfte Azubis und Angestellte in Apartments unterbringen. „Wir müssen das tun, wenn wir Fachkräfte gewinnen und vor allem, wenn wir sie halten wollen“, berichtete Dr. Tobias Schneider, Bereichsleiter Betrieb und Logistik beim UKT. 

Ganz ähnlich ist die Idee eines Projekts in der Tübinger Südstadt. Elf kleine und mittlere Betriebe haben sich gemeinsam aufgemacht, eine Immobilie für „Berufsstarter“ zu entwickeln. Die Stadt, wie Baubürgermeister Cord Soehlke berichtete, bringt das Grundstück ein. Das Architekturbüro von Matthias Gütschow sorgt dafür, dass aus elf Beteiligten am Ende Partner werden. „Das klappt wirklich gut, weil alle das Ziel haben, Wohnungen für Beschäftigte anbieten zu können.“ Bis Ende 2027, so der Plan, sollen 69 Wohnungen zwischen 23 und 35 Quadratmetern entstehen. Kostenpunkt 12,6 Millionen Euro. 

14 Werkswohnungen hat sich die Erbe Elektromedizin für die kommenden anderthalb Jahre vorgenommen. Sie entstehen in Rangendingen, wo das neue Werk der Firma gebaut wurde. Ausgangspunkt war eine Mitarbeiterbefragung. Das erstaunliche Ergebnis, so CFO Daniel Zimmermann: „Fast ein Drittel unserer Kolleginnen und Kollegen haben Interesse.“ Alle knapp 1.300 Erbe-Beschäftigten wird man zu günstigen Preisen, auch das ein Wunsch der Mitarbeiter, nicht bedienen können. Aber Rangendingen ist ein Anfang. Zwei bis vier Zimmer bekommen die Wohnungen. Man hofft auf 14 Euro Quadratmeterpreis zu kommen. Das ist günstig, so Zimmermann: „Damit verdienen wir sicher kein Geld.“ 

Schwäbisch-praktisch geht man beim Bäcker und Konditor BeckaBeck das Thema Mitarbeiterwohnungen an. Auf der Alb fehlt es vielerorts an Wohnraum, zudem sind gerade junge Leute, oft Azubis, nicht mobil. Also hat man nach und nach Wohnungen gemietet, unter anderem für eine Azubi-WG sowie Mitarbeiterwohnen auf dem Gelände der Produktion. „Wir sehen da auch unsere soziale Verantwortung“, sagte Helena Beck vom bekannten Familienunternehmen. „Außerdem ist es sonst kaum möglich, Beschäftigte von andernorts zu uns zu holen.“ 

Antonia Hettinger

Antonia Hettinger

Unternehmensförderung & Standortpolitik
IHK-Zentrale
Position: Leiterin Volkswirtschaft & regionale Wirtschaftspolitik
Schwerpunkte: Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik, Konjunkturumfragen, IHK-Netzwerk Bau- und Immobilienwirtschaft, IHK-Netzwerk Projektmanagement
Telefon: 07121 201-256
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