IHK: Strukturwandel setzt sich fort
Region modernisiert sich weiter
Foto: industrieblick - Fotolia.comDie IHK hat die Bedeutung der einzelnen Wirtschaftszweige in der Region unter die Lupe genommen und vor allem die Zahl der Beschäftigten und Unternehmen untersucht. Demnach ist das verarbeitende Gewerbe weiter der unter Beschäftigungsgesichtspunkten wichtigste Wirtschaftszweig. Dort arbeiten 84.789 Menschen. Gegenüber 2008 ist das ein Zuwachs von 8 Prozent. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im gleichen Zeitraum von 35 auf 30 Prozent gesunken, weil insgesamt mehr Menschen einer Arbeit nachgehen. Dem gegenüber haben der Handel, dazu gehören Einzel- und Großhandel, sowie die Dienstleistungszweige ihren Anteil vergrößern können. Sie stehen zusammen für 175.000 Beschäftigte und 13.000 Unternehmen. „Die nach wie vor starke Position des verarbeitenden Gewerbes kommt nicht von ungefähr. Dort, wo Unternehmen innovativ bleiben und sich immer wieder neu aufstellen, bleibt auch die Wertschöpfung“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp.
Ein wichtiger Pfeiler der heimischen Wirtschaft ist das Gesundheits-Cluster. Dazu gehören Krankenhäuser, Praxen, Pflege- und Seniorenheime sowie soziale Einrichtungen. 43.000 Menschen arbeiten sozialversicherungspflichtig beschäftigt in diesem Feld. Das ist ein Plus von 47 Prozent gegenüber 2008 (29.272). Insgesamt gibt es über 1.600 Betriebe (2008: 1.570). „In unserer Region ist dieser Zweig besonders stark, weil wir mit der Universitätsklinik Tübingen einen Spitzenversorger mit entsprechender Größe bei uns haben“, erklärt Epp.
IT: Starker Faktor, F&E: Wichtig für Innovationsnachschub
Die Detailanalyse der Wirtschaftszweige zeigt, dass gerade die neuen Branchen klar im Kommen sind: IT mit den wachsenden Betrieben rund um die künstliche Intelligenz (KI) steht mittlerweile für 5.800 Beschäftigte. 2008 waren dies noch 2.700. Die Zahl der Betriebe wuchs in der gleichen Zeit von 338 auf 418. „Viele Firmen haben sich in ihrem Feld etabliert und sind gewachsen. Neue entstehen und sorgen dafür, dass diese insgesamt weiter an Bedeutung gewinnen. So wirkt die IT weit über die eigene Branche hinaus und ist längst unverzichtbar für Unternehmen anderer Wirtschaftszweige“, so Wolfgang Epp.
Einen deutlichen Zuwachs haben auch Einrichtungen und Unternehmen im Bereich von Forschung und Entwicklung (F&E) zu verzeichnen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg zwischen 2008 und 2024 von 965 auf 2.325. Die Zahl der Einrichtungen und Unternehmen erhöhte sich von 44 auf 66. „Das ist die vielleicht wichtigste Nachricht unserer Studie: Der Nachschub an Innovationen wächst. Das ist die Basis für die Übersetzung von Know-how in neue Produkte und wird für uns als Region in Zukunft immer wichtiger.“ Abgerundet wird das Wachstum auf Unternehmensseite von einem steigenden Anteil wissensbasierter und technischer Dienstleistungen. Sie legen bei den Beschäftigten von 10.717 (2008) auf 17.027 (2024) zu.
Kontinuierliche Veränderung ist wichtig
Das Gesamtergebnis der IHK-Studie zeigt, dass die strukturellen Verschiebungen der letzten Jahrzehnte weiter voranschreiten, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp: „Ein kontinuierlicher Strukturwandel ist wichtig. Nur eine Region, die mit der Zeit geht und sich modernisiert, bleibt zukunftsfähig.“
Besonderheiten in den Landkreisen
Landkreis Reutlingen
- Im Landkreis Reutlingen sind nahezu alle Wirtschaftszweige vertreten. Dies spricht für eine resiliente, breit aufgestellte Wirtschaftsstruktur.
- Der Wirtschaftszweig des Verarbeitenden Gewerbes hat im Landkreis mit Abstand den größten Anteil bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten: 33 Prozent.
- Unter den Dienstleistungsbranchen sticht das Gesundheits- und Sozialwesen mit 14 Prozent heraus.
Landkreis Tübingen
- In Tübingen gibt es seit Jahren eine deutliche Spezialisierung auf den Gesundheitssektor sowie das Bildungswesen: Zu ersterem zählen konstant 24 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
- Neben dem Gesundheitscluster ist der Landkreis stark bei Biotechnologie und der Forschung und Entwicklung.
- Das Verarbeitende Gewerbe liegt bei 19 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
Zollernalbkreis
- Der Zollernalbkreis ist der Landkreis des produzierenden Gewerbes. 47 Prozent aller Beschäftigten macht dieser Sektor aus.
- Das Medical Valley in Hechingen sorgt für eine starke Ausprägung des Medizintechnik-Clusters.
- Der Wirtschaftszweig Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen kommt bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf 17 Prozent.
Hintergrund
Laut der amtlichen Statistik werden zwischen Sektoren beziehungsweise Branchen und Wirtschaftszweigen unterschieden. Sektoren sind die übergeordneten Begriffe wie Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungssektor. Darunter werden Wirtschaftszweige zugeordnet. In dieser Analyse beziehen sich die Wirtschaftszweige auf die sogenannten NACE-Codes von 2008. Im Produzierenden Gewerbe ist das verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe sowie die Energie- und Wasserversorgung enthalten. Zum Dienstleistungssektor gehören Wirtschaftszweige wie der Einzel- und Großhandel, Gastronomie, Verkehr, Finanzdienstleistungen und viele mehr. Zum Wirtschaftszweig Verarbeitendes Gewerbe gehören alle Arten der Herstellung inklusive Herstellung von Nahrungs- und Futtermittel, Herstellung von Bekleidung, von chemischen Erzeugnissen, Metallerzeugung u.v.m.
Downloads
-
Analyse "Strukturwandel" (PDF | 390 KB)
