Neujahrsempfang 2026 von IHK und Handwerkskammer
Reformen sind dringend nötig
Foto: TrinkhausIHK-Präsident Johannes Schwörer begrüßte die rund 500 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Er machte in seiner Ansprache die schwierige Lage der Unternehmen in der Region deutlich: „Wir verlieren täglich an Wettbewerbsfähigkeit.“ Dringend benötigte Reformen müssten angepackt werden. Als Beispiel nannte er die Steuerbelastung: „Statt endlich die Steuern zu senken, wird plötzlich die Erbschaftsteuer herausgezogen. Wer Aufschwung will, muss Steuern senken – nicht umgekehrt!“ Von der neuen Landesregierung erwartet Schwörer mehr Umsetzungsgeschwindigkeit und echte Veränderungen. „Für die anstehende Transformation braucht es eine Abkehr vom Kleinklein.“ Schwörer kritisierte aber auch die heutige Arbeitsmoral, die teilweise herrscht: „Mit 4-Tage-Woche, Schluss mit 63 und viel Work-Life-Balance wird es nicht funktionieren. Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und uns engagieren.“ Er sei Optimist und überzeugt davon, dass es sich lohnt, für den Standort und die Region zu kämpfen. „Wir dürfen bei allen aktuellen Schwierigkeiten unsere Qualitäten nicht vergessen: Wir haben immer noch gute Ideen und einen innovativen Mittelstand und sind Heimat von Branchen, die nach wie vor zukunftsträchtig sind.“
Hohe Dunkelziffer
Gastredner Andreas Stenger, Präsident des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, sensibilisierte die Gäste in punkto Sicherheit. Kriminalität finde zunehmend im digitalen Raum statt. „Cybercrime entwickelt sich dynamisch weiter und wird zum Wirtschaftszweig mit eigenen Wertschöpfungsketten. Die Täter sitzen dabei oft in sicheren Häfen.“ In Deutschland belief sich der Schaden im Jahr 2024 auf etwa 200 Milliarden Euro. In Baden-Württemberg wurden 2024 rund 15.000 Fälle gemeldet, die Dunkelziffer sei um ein Vielfaches höher, geschätzt jedes zweite Unternehmen sei betroffen. Viele Betriebe melden nicht, wenn sie Opfer eines Cyberangriffs werden. Der Experte riet dazu, sich an die Polizei zu wenden. „Wir haben häufig den Schlüssel, um verschlüsselte Daten wieder zu entschlüsseln.“ Und anhand der Erkenntnisse könnten Maßnahmen zur Vorbeugung weiterentwickelt werden. Insgesamt sei das Sicherheitsniveau in Baden-Württemberg hoch. Mit 4.880 Straftaten pro 100.000 Einwohner in 2024 liege das Bundesland deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.
Unternehmertum wertschätzen
Alexander Wälde, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, richtete in seinen Abschlussworten den Blick auf die tagtäglichen Herausforderungen der Betriebe. Er sprach von einem regelrechten „Formular-Burnout“ und forderte einmal mehr den Abbau von Dokumentations- und Berichtspflichten. Im Werben um Fachkräfte brauche es verschiedene Bausteine: verlässliche Schulen mit klaren Inhalten, und Lehrkräfte, die das Handwerk kennen, realistische Wege, um Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, aber auch bezahlbaren Wohnraum. Am Ende plädierte er für die gesellschaftliche Wertschätzung des Unternehmertums. Die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer „sind tief in der Region verwurzelt, übernehmen Verantwortung für Mitarbeitende, bilden junge Menschen aus und tragen mit ihren Steuern wesentlich zum Gemeinwesen bei. Wir brauchen eine politische und gesellschaftliche Kultur, die das anerkennt und stärkt.“
