Unverpacktladen

Nachhaltig und sozial

Unverpacktläden zeigen seit einigen Jahren, dass Einkaufen auch ganz ohne Plastikverpackungen funktioniert. Ein Beispiel ist der „Speicher“ in der Tübinger Innenstadt.

Nachhaltig und sozialAlexander Nolte hat 2021 den Tübinger „Speicher“ übernommen. Foto: Nina Schmidt

„Das Konzept der Nachhaltigkeit muss einfach erweitert werden“, sagt Inhaber Alexander Nolte. Bei ihm können Kundinnen und Kunden mitgebrachte Gläser mit einer beliebigen Menge regionaler Bio-Ware auffüllen. Bezahlt wird nach Gewicht. Seit Oktober 2017 gibt es den kleinen Betrieb. Nolte hat ihn vor knapp einem Jahr von den beiden Ladengründern übernommen. Am Gesamtkonzept verändern wollte er bisher nur wenig.

25 Kilo Haferflocken in der Woche
Der „Speicher“ verfügt über zwei Bereiche: Drogerieartikel und Kleidungsstücke aus recycelten Stoffen liegen im hinteren Ladenteil, Getreideprodukte und frische Lebensmittel gibt es vorne. Am liebsten greift die Kundschaft zu Haferflocken. „Da haben wir einen Durchlauf von einem 25-Kilo-Sack pro Woche“, berichtet Nolte. Da der Lagerplatz im Laden begrenzt ist, muss er regelmäßig zur Mühle fahren und neue Haferflocken besorgen. Die Nachfrage nach Hafer beschränkt sich dabei nicht nur auf Flocken. „Auch die Hafermilch ist ein riesiger Renner“, erzählt Nolte. Zusätzlich käme bald ein neuer veganer Haferjoghurt ins Sortiment. Neben den veganen Alternativen bietet Nolte aber weiterhin frische Molkereiprodukte an. Die meisten Produkte bezieht der „Speicher“ von regionalen Produzenten. Joghurt und Quark liefert die Dorfgemeinschaft Tennental, in der Menschen mit Assistenzbedarf leben und arbeiten. Das Getreide stammt überwiegend von Rebio aus Rottenburg, Leinsamen und Rapsöl kommen aus Hailfingen. Eine Mehl- oder Speiseölknappheit infolge des Ukraine-Kriegs spüren die Kundinnen und Kunden des Unverpacktladens daher derzeit nicht.

Enger Kundenkontakt
Alexander Nolte legt nicht nur auf Nachhaltigkeit großen Wert, sondern auch auf den sozialen Aspekt. Die Kundschaft solle sich im Laden wohlfühlen und „einfach kurz raus aus dem hektischen Alltag kommen“, beschreibt er sein Konzept. Insbesondere das angeschlossene Bistro mit eigenem Koch ermöglicht diese kleine Auszeit. Einige Besucherinnen und Besucher darf Nolte dort regelmäßig begrüßen. Der enge Kundenkontakt liegt ihm generell am Herzen: „Es ist schön zu erfahren, wie unterschiedlich die Menschen leben und doch interessieren sie sich alle für Nachhaltigkeit.“ Der Austausch dient dabei sogar der Sortimenterweiterung. Immer wieder machen Kundinnen und Kunden Alexander Nolte auf Produktneuheiten aufmerksam, die er dann ins Sortiment aufnimmt. /

(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 8+9/2022.)


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