IHK-Studie zu Satellitennavigation

Mobilität und Freizeit bieten größtes Potenzial

Anti-Stau-Apps im Navigationsgerät oder satellitengesteuerte Baustellenfahrzeuge: Die Satellitennavigation hält verstärkt Einzug in unseren Alltag und unsere Arbeitswelt. Viele der nützlichen Dienste werden von Unternehmen in Baden-Württemberg entwickelt. In einer Studie hat die IHK Reutlingen untersucht, in welchen Technologiefeldern die Satellitennavigation verstärkt eingesetzt wird und die Unternehmen nach Zukunftsbereichen und Empfehlungen gefragt.

Mobilität und Freizeit bieten größtes Potenzial

„Die Unternehmen sind überwiegend zufrieden mit dem Technologiestandort Baden-Württemberg“, analysiert Dr. Wolfgang Epp, Hauptgeschäftsführer der IHK Reutlingen. Befragt wurden ausschließlich Technologieunternehmen mit langjähriger Erfahrung in Sachen Satellitennavigation. Die meisten davon sind in den Bereichen Mobilität und Logistik, im Bauwesen und in der Geodäsie tätig. Potenzial sehen die Unternehmen jedoch auch in anderen Branchen, etwa im Freizeitsektor. Die Impulse für neue Anwendungen kommen vor allem durch neue Technologien für die nahtlose Navigation zwischen Innen- und Außenbereichen und durch die Technologien rund um das automatisierte Fahren. Dass die Positionsbestimmungen durch genauere Messverfahren immer präziser werden, ist ein weiterer Grund für neue Anwendungen etwa im Katastrophenschutz. Der enge Austausch der Wirtschaft mit den Forschungseinrichtungen und Hochschulen des Landes beflügelt nach Angaben der Experten Innovationen und neue Entwicklungen. Als größtes Manko in Baden-Württemberg wird die fehlende Bereitschaft zur Umsetzung zukunftsweisender Mobilitätskonzepte gesehen, etwa um den Verkehr zu entlasten.

Bessere Infrastruktur gefordert
Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen hängt stark von der verfügbaren technischen Infrastruktur ab. Ein eigenständiges europäisches globales Navigationssystem sehen die Unternehmen als Voraussetzung und empfehlen nachdrücklich, das europäische Satellitennavigationssystem „Galileo“ zügig zu realisieren. Eine weitere Empfehlung betrifft den Zugang zu Daten der öffentlichen Hand, wie Karten oder Statistiken. Diesen erachten die Unternehmen trotz Initiativen des Bundes und der EU immer noch nicht als ausreichend. Der geregelte Zugang zu diesen Daten sollte, so lautet die Empfehlung, unter Beachtung des deutschen Datenschutzes weiter verbessert werden. Bei Benutzer- und Bewegungsdaten fehlen den Unternehmen klare Vorgaben für die Nutzung der Informationen, etwa um den öffentlichen Nahverkehr besser zu organisieren. Geregelte Betreibermodelle mit anonymisierten Benutzerdaten, auf die die Unternehmen zurückgreifen können, würden hier Abhilfe schaffen.

Hintergrund
Die Studie „Satellitennavigation in Baden-Württemberg: Staus-Quo und Potenziale“ wurde von der IHK Reutlingen durchgeführt. Seit 2007 organisiert die IHK die Teilnahme des Landes am internationalen Wettbewerb für Satellitennavigation, der so genannten „European Satellite Navigation Competition“. Im IHK-Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer (IHK-IWW) hat sie dafür eine Geschäftsstelle eingerichtet.

Zur Homepage der Geschäftsstelle Baden-Württemberg des Wettbewerbs:

Dr. Stefan Engelhard

Dr. Stefan Engelhard

Innovation & Umwelt,
IHK-Zentrale
Position: Leiter Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer (IHK-IWW) / Bereichsleiter Innovation und Umwelt / Head of ESA BIC Baden-Württemberg
Schwerpunkte: Innovationsberatung, Beratung zu FuE-Förderprogrammen, ESA BIC Baden-Württemberg, Regionales Innovationsmanagement Neckar-Alb, KI-Checker Neckar-Alb
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