Zu viel Konsum, zu wenig Investitionen
Mindestlohn, Rente mit 63 und die Folgen
300.000 Anträge auf Rente mit 63 habe es in den ersten zwei Wochen nach der Verabschiedung des Gesetzes gegeben, berichtete Südwest-Metall-Chef und IHK-Vizepräsident Dr. Stefan Wolf vor der IHK-Vollversammlung. "Diese Leute sind kaum zu ersetzen, wir verlieren wichtige Know-how-Träger." Ähnlich kritisch schätzt das höchste IHK-Gremium den nun beschlossenen Mindestlohn ein. Vor allem junge Menschen mit schlechten Abschlüssen werden sich für Jobs mit Mindestlohn und gegen eine betriebliche Ausbildung entscheiden. Zudem erwartet die Wirtschaft einen rasant steigenden Mindestlohn. "Wir werden in wenigen Jahren 12,50 Euro erreichen, weil das Gesetz schlicht eine Steigerungssystematik enthält", so Wolf.
Sinnvoller wäre es, Geld in die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu investieren, um etwa gut ausgebildete junge Frauen, die Kinder bekommen, nicht dauerhaft für den Arbeitsmarkt zu verlieren. "Die Bundesregierung setzt auf Konsum und nicht auf Investitionen. Damit verspielt sie die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes und wirft uns in Zeiten vor der Agenda 2010 zurück. Das werden wir auch bei uns merken", kommentierte IHK-Präsident Christian O. Erbe. Das belegt auch eine aktuelle DIHK-Umfrage. Demnach spielt für die deutsche Industrie zum ersten Mal seit elf Jahren das Kostenargument bei Investitionen im Ausland wieder eine stärkere Rolle. "Es muss uns warnen, wenn als Motiv von Auslandsinvestitionen die Kosten am heimischen Standort genannt werden", sagte Erbe.
