IHK: Knappes Wohnungsangebot hemmt Fachkräftezuzug

Mehr Wohnraum nötig

Der regionale Wohnungsmarkt ist aus Sicht der IHK leergefegt. „Die Auswirkungen auf die Gewinnung von Fachkräften sind mittlerweile spürbar“, sagt Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp. Die IHK spricht sich daher für mehr interkommunale Zusammenarbeit bei der Wohnraumentwicklung aus.

Mehr Wohnraum nötigFoto: Robert Kneschke - Fotolia.com

Die Region wächst. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg seit 2011 um 15 Prozent gestiegen. Das Angebot auf dem Wohnungsmarkt hat jedoch nicht mithalten können. Das Forschungsinstitut Prognos hat in der aktuellen Studie "Wohnraumbedarf in Baden-Württemberg" einzelne Landkreise analysiert. Ein Ergebnis: Während der Zollernalbkreis über einen einigermaßen entspannten Wohnungsmarkt verfügt, gilt der Wohnungsmarkt in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen als "angespannt" und "sehr angespannt". Insgesamt wurden in den beiden Landkreisen im Jahr 2015 rund 3.400 Wohnungen zu wenig gebaut, so die Prognos-Studie. "Für die Prosperität der Region ist es von enormer Bedeutung, dass es ein breitgefächertes Wohnungsangebot gibt", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp.

Dass Wohnraum mittlerweile ein Problem darstellt, zeigt auch die jüngste IHK-Standortzufriedenheitsumfrage. Das Problem hat sich im Vergleich zur Befragung von 2015 deutlich verschärft. Für die Betriebe ist die Bedeutung des Standortfaktors Wohnraum im Ranking aller abgefragten Standortfaktoren um sieben Plätze hochgerückt. Gleichzeitig stieg die Unzufriedenheit der befragten Unternehmer mit dem Standortfaktor Wohnraum um 15 Prozent. Bei keinem der 27 Standortfaktoren war die Abweichung so groß.

Flächen im ländlichen Raum
Es gibt noch potenzielle Wohnraumflächen, im ländlichen Raum naturgemäß mehr als in den Städten. "Wir können nur dort in größerem Umfang Wohnraum schaffen, wo eine optimale infrastrukturelle Anbindung gegeben ist, vor allem mit Blick auf Glaserfaseranschlüsse", so Epp. Erfahrungsgemäß dauert es jedoch bis Wohnungen gebaut und bezogen werden können. In der Zwischenzeit sollte man aus Sicht von Wolfgang Epp die Möglichkeiten zur Aktivierung bestehender Baulücken nutzen. "Investitionsanreize für private Eigentümer könnten hier helfen."

Insgesamt sieht die IHK die Lösung in einem abgestimmten Vorgehen. "Wir brauchen die Zusammenarbeit der Städte und Gemeinden in der gesamten Region Neckar-Alb", so der IHK-Hauptgeschäftsführer. "Ohne neuen Wohnraum bekommen wir absehbar keine Fachkräfte mehr und können kein Wachstum mehr realisieren."

Hintergrund
Der durchschnittliche Preis für Neubauten in Baden-Württemberg ist laut Statistischem Landesamt seit 2010 um mehr als 18 Prozent gestiegen. Trotz großen Bedarfs sinkt die Zahl der Baufertigstellungen und damit auch des Wohnungsangebots. Es liegt aktuell knapp über dem Niveau von 2008/2009. Bei der IHK trifft sich die Baubranche im Netzwerk Bau- und Immobilienwirtschaft. Das nächste Treffen ist am 20. November zum Thema "Projektentwicklung Immobilienwirtschaft: Umsetzung alternativer Investitionsmodelle" im IHK-Forum in Reutlingen.

IHK-Service 
Kurzanalyse zu den Wohnbauflächen in der Region Neckar-Alb zum Download

Antonia Hettinger

Antonia Hettinger

Hauptgeschäftsführung
IHK-Zentrale
Position: Leiterin Volkswirtschaft & regionale Wirtschaftspolitik
Schwerpunkte: Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik, Konjunkturumfragen, IHK-Netzwerk Bau- und Immobilienwirtschaft, IHK-Netzwerk Projektmanagement
Telefon: 07121 201-256
E-Mail schreiben
vCard herunterladen
Zur Detailseite