IHK zum regionalen Ausbildungsmarkt
Mehr Berufsorientierung nötig
Foto: SolStock - istockphoto.comIm Vergleich zu den technisch-gewerblichen Berufen fällt die Entwicklung bei den kaufmännischen Ausbildungsberufen insgesamt moderater aus. Hier sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 3,6 Prozent, während die technisch-gewerblichen Berufe ein Minus von 10,9 Prozent verzeichnen. Vor allem in der Industrie wirkt sich die Auftragslage auf das Ausbildungsengagement von Unternehmen aus, was die Zahlen in den Berufen der Metallindustrie (-7,5 Prozent) und der Elektroindustrie (-10,8 Prozent) belegen.
„Unternehmen suchen weiterhin nach passenden Azubis. Wer heute ausbildet, sichert sich die Fachkräfte von morgen“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp. „Gleichzeitig achten die Betriebe stärker darauf, dass Bewerberinnen und Bewerber zum Unternehmen passen und wirklich geeignet sind.“ Auch regional fällt die Entwicklung unterschiedlich aus: Während die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Landkreis Reutlingen um 12,7 Prozent zurückging, liegt der Zollernalbkreis mit einem Minus von 5,6 Prozent moderater unter dem Vorjahresniveau. Im Landkreis Tübingen entwickelte sich die Lage mit einem Plus von 4,1 Prozent dagegen positiv.
Azubis aus dem Ausland
Gleichzeitig gibt es Branchen, die weiterhin intensiv ausbilden, etwa das Hotel- und Gaststättengewerbe. Dort stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um mehr als die Hälfte. Die Branche setzt zunehmend auf Auszubildende aus dem Ausland – etwa aus Vietnam, Indien, Südamerika oder Osteuropa. Der damit verbundene bürokratische Aufwand ist für viele Unternehmen allerdings eine große Herausforderung. „Unsere Unterstützungsangebote wie das Förderprojekt „Integration durch Ausbildung“ ist derzeit stark nachgefragt“, sagt Thorsten Leupold, IHK-Bereichsleiter Ausbildung und Prüfungswesen
Die IHK beobachtet, dass Jugendliche zunehmend die Schule ohne klare berufliche Perspektive und unzureichende Vorbereitung auf die Arbeitswelt verlassen. „Wir müssen junge Menschen frühzeitig und engmaschiger bei der Berufsorientierung unterstützen“, fordert Leupold. Dazu braucht es aber auch die notwendigen Rahmenbedingungen. „Das Thema kommt im jüngst vorgestellten Koalitionsvertrag von Grün/Schwarz zu kurz.“ Die IHK hat indes ihre Beratung in den Betrieben nochmals verstärkt. Die vier Ausbildungsberaterinnen und -berater der IHK werden in diesem Jahr über 800 Firmen besuchen – zur Ansprache potenziell neuer Ausbildungsbetriebe, aber auch um die Qualität in der Berufsausbildung weiter hochzuhalten. „Die Anforderungen an Ausbildung werden komplexer. Deshalb begleiten wir Unternehmen und Auszubildende intensiver“, so Leupold.
