Zur Bürgermeisterwahl in Hirrlingen

Konkurrenzfähig bleiben

Mit fünf Wahlprüfsteinen meldet sich die regionale Wirtschaft bei der Bürgermeisterwahl in Hirrlingen zu Wort. Zu den Forderungen gehören: Stabile Steuern und Abgaben, schnelleres Internet und eine Verwaltung, die sich um Unternehmen und Familienfreundlichkeit kümmert.

Konkurrenzfähig bleibenWappen der Gemeinde Hirrlingen

Die IHK hat Wahlprüfsteine für Hirrlingen formuliert. Die Einrichtung der Unternehmerinnen und Unternehmer macht damit deutlich, welche Weichenstellungen die Gemeinde in den kommenden Jahren benötigt. „Hirrlingen kann mit vergleichsweise niedrigen Steuersätzen punkten, muss aber weiter in die Rahmenbedingungen am Standort investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben“, sagt Daniela Eberspächer-Roth, IHK-Vizepräsidentin und im Hauptberuf Chefin der Hirrlinger Unternehmensgruppe Profilmetall. 

Aus ihrer Sicht muss es Ziel sein, Hirrlingen insgesamt attraktiver zu machen. Dazu gehören Breitbandverbindungen mit 100 mbit/s, die Nennung der örtlichen Gewerbetreibenden im Internetportal der Gemeinde Hirrlingen, Kontakte der regionalen Firmen zu Schülerinnen und Schülern aus den Vorabgangsstufen sowie gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten am Standort. „Die Wettbewerbsfähigkeit des örtlichen Gewerbes ist ein Gesamtpaket und lebt mit den Rahmenbedingungen am Standort“, umreißt Eberspächer-Roth das Anforderungsprofil für den künftigen Rathauschef. 

Noch mehr Kontakt 
Die Wirtschaft wünscht sich vor allem unterstützende Kontakte zwischen Gemeindeverwaltung und örtlichen Betrieben. Der Erhalt und Ausbau von örtlichen Ausbildungs- und Arbeitsplätzen ist stark von den lokalen Gegebenheiten und dem Miteinander abhängig. „Wir sind gerne gesprächsbereit und wünschen uns einen Gemeinderat und eine Verwaltung, die die Standortbedingungen der Unternehmerinnen und Unternehmer aller Größen und Branchen fördert“, so die IHK-Vizepräsidentin.

Die Wahlprüfstene für Hirrlingen

  1.  Steuern und Abgaben, die nicht steigen
    Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Reutlingen sind Gewerbesteuern und kommunale Abgaben sehr wichtige Standortfaktoren. Wirtschaftsfreundlich ausgestaltete Steuern und Abgaben machen eine Gemeinde attraktiv. In Hirrlingen wird zur Zeit bei der Gewerbesteuer ein Hebesatz von 340 Prozentpunkten und bei der Grundsteuer B ein Hebesatz von 300 Prozentpunkten veranschlagt. Damit kann die Gemeinde mit unterdurchschnittlichen Hebesätzen trumpfen. Die Wirtschaft erwartet, dass diese Steuersätze nicht steigen und Hirrlingen weiter mit Augenmerk und im Bewusstsein dieses Standortvorteiles kommunale Steuer- und Abgabenpolitik betreibt.

  2. Schnelles Internet für die ganze Kommune
    Eine starke Wirtschaft braucht für ein zukunftsfähiges Wachstum eine stabile Versorgung mit Breitbandinternet. Immer größere Datenmengen müssen heutzutage über das Internet versendet werden. Das „Internet der Dinge“ wird dieses Volumen in kürzester Zeit weiter steigern. Die Unternehmen vor Ort sind auf eine gute Versorgung mit hohen Übertragungsraten von mindestens 50 mbit/s, besser 100 mbit/s, angewiesen, um nicht einen Wettbewerbsnachteil zu besitzen. Die Wirtschaft erwartet daher eine stabile Versorgung der gesamten Kommune mit schnellem Breitbandinternet.

  3. Ausbildungsnachwuchs sichern
    Nicht zuletzt aufgrund der demographischen Entwicklung wird es für Unternehmen immer schwieriger, passende Bewerber für eine duale Ausbildung zu finden. Ausbildungsplätze ortsansässiger Firmen sollten z. B. über die Gemeindeinternetseite oder das Gemeindeblatt veröffentlicht werden. Ein Weg kann es auch sein, Schülerinnen und Schüler der ortsansässigen Schule über ein Praktikum für eine spätere Ausbildung zu gewinnen. Die Klassen 7-10 der Gemeinschaftsschule Rangendingen Hirrlingen werden in Rangendingen unterrichtet. Dies kann dazu führen, dass die Schüler sich weniger nach Hirrlingen hin orientieren. Die Wirtschaft erwartet konkrete Vorschläge, um auch Ausbildungsbetrieben vor Ort den Zugang zur Zielgruppe Schüler der Vorabgangsstufe zu ermöglichen.

  4. Hirrlingen für Familien attraktiv machen
    Entgegen dem Trend steigen die Einwohnerzahlen Hirrlingens. Damit dies so bleibt, muss sich Hirrlingen noch stärker als familienfreundliche Gemeinde positionieren. Die vorhandenen Flächen und Immobilien müssen genutzt werden, um Familien günstigen Wohnraum anzubieten. Auch Jugendliche brauchen vor Ort Angebote, die sie attraktiv finden und nutzen können. Die Wirtschaft erwartet eine Kinderbetreuung, die sich an den Bedürfnissen der Eltern orientiert und bedarfsgerecht ausgebaut wird.

  5. Wirtschaftsfördernde Verwaltung
    Ein Klima, das anziehend auf Investoren und Unternehmen wirkt, wird erreicht, wenn Verwaltung nicht Bremser, sondern Möglichmacher ist. Die Wirtschaft in Hirrlingen sollte durch und zusammen mit der Verwaltung gezielt vernetzt werden. Die IHK Reutlingen bietet über Veranstaltungen wie IHK vor Ort Hirrlingen und zahlreiche Netzwerke die Möglichkeit zum regelmäßigen Austausch zwischen Wirtschaft, Kommunalpolitik und Verwaltung. Diese Angebote sollte die Gemeindeverwaltung nutzen. Eine Vernetzung zwischen Wirtschaft und Gemeinde könnte auch durch Einrichtung eines Firmenregisters auf der gemeindlichen Internetseite mit Verlinkungen auf die Homepages der ortsansässigen Unternehmen geschehen. Eine zeitgemäße und fortschrittliche Verwaltung mit unternehmerfreundlichen Öffnungszeiten und guter Präsenz im Internet ist für die Wirtschaft unabdingbar. Die Wirtschaft erwartet daher, dass die Verwaltung auch in Zukunft ein offenes Ohr für die Belange der lokalen Unternehmen hat.
Dr. Jens Jasper

Dr. Jens Jasper

Zentrale Dienste, Kundenmanagement und Recht und Steuern,
IHK-Zentrale
Position: Bereichsleiter
Schwerpunkte: Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht, außergerichtliche Streitbeilegung, Sachverständigenwesen, Steuern, IHK-Gremium Tübingen: Geschäftsführung, Koordination Hoheitliche Aufgaben
Telefon: 07121 201-233
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