IHK kritisiert laufendes Verfahren zum PFAS-Verbot
„Investitionen auf Eis“
Foto: Сергей Шиманович - stock.adobe.comUrsprünglich sollten pauschal alle PFAS in der EU verboten werden. Mittlerweile laufen Gespräche in den Wissenschaftsausschüssen der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), in denen Alternativen, Übergangszeiten und der Einsatz von verschiedenen PFAS in Produkten und industriellen Materialien diskutiert werden. In den aktuellen Verhandlungen in Brüssel ging es um die Themen Energie und Schmiermittel, Elektronik und Halbleiter, im Dezember folgen weitere Gespräche. Die Stellungnahmen der Ausschüsse sind für März vorgesehen.
„Ressourcenstarke Branchen haben in diesem Verfahren eine einflussreichere Stimme. Kleine und mittlere Unternehmen werden im Regelungsprozess nicht ausreichend gehört und am Ende könnten die von ihnen benötigten PFAS verboten werden“, warnt Korn. Die IHK befürchtet, dass benötigte PFAS aus zentralen Anwendungsbereichen wie Medizintechnik, Energie-, Wasser- und Elektrotechnik oder technischen Textilien nicht mehr zum Einsatz kommen könnten. PFAS werden unter anderem in Schläuchen, Sonden, Drähten, Implantaten, Kabeln, Dichtungen und Beschichtungen eingesetzt. Gleichzeitig spricht sich die IHK nicht grundsätzlich gegen spezifische Anwendungsverbote aus, wie etwa im Bereich der Lebensmittelindustrie oder beim unkontrollierten Einsatz von Feuerlöschschäumen.
Nach dem Eindruck der IHK führt die Diskussion um PFAS-Verbote derzeit dazu, dass Unternehmen nicht bereit sind, in Zukunftstechnologien zu investieren. Am Ende kostet das Arbeitsplätze, weil Firmen erfolgreiche Produktlinien nicht fortführen können – denn nicht für jeden PFAS-Stoff gibt es bisher Alternativen. „Die Unsicherheit in den Unternehmen ist wirklich groß“, sagt Dr. Elisabeth Musch, Projektmanagerin Green Deal bei der IHK, und appelliert, das Verfahren zu beschleunigen. „Viele Betriebe wollen möglichst schnell eine praktikable Entscheidung aus Brüssel“, so Musch.
Hintergrund
PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, die in vielen Produkten vorkommen, wie in Medizin, PV-Anlagen, Brennstoffzellen, Oberflächenschutz, Membrantechnik, Kochgeschirr oder Outdoor-Bekleidung. Einige sind potenziell gefährlich für Mensch und Umwelt. Deswegen sollen sie laut EU-Kommission insgesamt verboten werden. Die IHK und viele andere Verbände haben sich gegen ein pauschales Verbot ausgesprochen. Der von der IHK initiierte „Runde Tisch PFAS“ bringt betroffene Unternehmen zusammen, demnächst im Oktober 2025 wieder.
