Nachfolge im Handwerk

In vierter Generation

Wer als Sohn, Enkel oder Urenkel in einen Familienbetrieb hineingeboren wird, bekommt das Thema Nachfolge quasi in die Wiege gelegt. Dass dies keine Bürde sein muss, sondern auch Vorteile mit sich bringt, berichtet Marco Seibold, der die Seibold GmbH, Tübingen-Unterjesingen, in vierter Generation lenkt.

In vierter Generation

„Ich habe es nicht bereut, diesen Schritt gegangen zu sein“, sagt der junge Geschäftsführer. „Die Begeisterung für unser Handwerk, die Herausforderungen und auch manchmal die Widrigkeiten des Alltags - dafür gemeinsam Lösungen zu finden, und die Zufriedenheit unserer Kunden bestärken mich immer wieder aufs Neue, mich diesen Aufgaben zu stellen und unsere Firma gemeinsam mit unseren Mitarbeitern voranzubringen.“

Die Seibold GmbH, Fachbetrieb für Bad, Heizung und Klimatechnik, blickt auf eine über 90-jährige Familientradition zurück: Im Jahr 1930 gründete Eugen Seibold das Unternehmen und übergab es 1959 an seinen Sohn Erich. Dieser wiederum gab die Geschäfte – inzwischen in Form einer GmbH – an seine drei Söhne weiter. Zwei davon schieden altershalber 2021 aus. Der verbliebene dritte Geschäftsführer Uwe Seibold nahm 2022 seinen Sohn Marco mit in die Geschäftsführung auf.

Übernahme stand schon früh fest
Der empfindet diesen Schritt nicht als Belastung oder reine Pflichterfüllung, ganz im Gegenteil: „Schon als Kind habe ich mich für handwerkliche Arbeiten und Basteleien interessiert. Als Zwölfjähriger bin ich schon mit meinem Vater auf Baustellen und zu Kunden mitgegangen; Kurze Zeit später habe ich in meinen Schulferien mitgearbeitet und so einen guten Einblick in den Beruf erhalten. Für mich war schon sehr früh klar, dass ich den Beruf des Anlagenmechanikers Sanitär-Heizung-Klima erlernen möchte.“

So absolvierte er eine Ausbildung in einem Betrieb in Gomaringen, wechselte kurze Zeit später zur Seibold GmbH und machte den Meister in Anlagenmechanik. „Mir war schon in meiner Ausbildung klar, dass ich den Meister machen möchte und die Tradition der Firma weiterführen will“, so Seibold. Seine bisherigen Kollegen, deren Chef er nun ist, hätten es sehr begrüßt, dass er die Firma mit seinem Vater weiterführe.

Unternehmensstruktur modernisiert
Gemeinsam haben sie die Unternehmensstruktur modernisiert: „Unser Bestreben ist ein kollegiales Arbeiten auf Augenhöhe und Wertschätzung im Team. Unsere Mitarbeiter bestätigen uns regelmäßig in unserem Tun und Handeln, ihnen gefällt unsere neue Herangehensweise, denn gemeinsam die Zukunft zu planen macht allen Spaß, und die Wertschätzung der gemeinsam geleisteten Arbeit kommt sehr gut an.“

Auch beim Thema Digitalisierung setzt Marco Seibold neue Akzente: „Social Media - Instagram und Facebook - nutzen wir als Plattform für aktuelle Posts, Mitteilungen und Personalgewinnung. Außerdem optimieren wir derzeit unsere neue Homepage.“

Nachfolge einfacher als Neugründung
Die Nachfolgelösung innerhalb der Familie und in einem Betrieb, in den er hineingewachsen ist, empfindet Seibold deutlich einfacher als eine komplette Neugründung: „Die Vorteile liegen auf der Hand, ganz klar: Ich übernehme eine Firma mit Tradition, festem Kundenstamm, großem Bekanntheitsgrad und – was gerade in der heutigen Zeit des Handwerkermangels wichtig ist - auch sehr gutem und eingearbeitetem Personal.“ Was zusätzlich hilft: „Durch meinen Vater habe ich einen sehr erfahrenen und kompetenten Partner an meiner Seite.“ Dadurch konnte der junge Geschäftsführer auch auf externe Beratungsangebote, Gründungskredite usw. verzichten und nahtlos in den laufenden Betrieb einsteigen.

Als Tipp gibt er anderen potenziellen Nachfolgern auf den Weg: „Jeder Handwerker, der seinen Beruf zu 100 Prozent lebt, Begeisterung und das nötige Knowhow mitbringt, sollte sich selber die Frage stellen, ob er diesen Weg mit all seinen Vor- und Nachteilen gehen will. Auch ist es sehr von Vorteil, wenn man schon in der Firma arbeitet, die in absehbarer Zeit einen Nachfolger sucht.“

Marco Seibold will die Firma noch ein paar Jahre gemeinsam mit seinem Vater leiten und danach entweder alleine oder mit einem neuen Geschäftspartner an seiner Seite weiterführen.

Autorin: Julia Winter, Wirtschaftsförderung Tübingen