Innenstadtstrecke oder alte Bahntrasse

IHK bringt Diskutanten in Pfullingen zusammen

Beim Auftakt von „IHK-Klartext“, einem neuen Veranstaltungsformat der IHK Reutlingen, wurde gleich ein brisantes Thema diskutiert, das in Pfullingen derzeit die Gemüter erhitzt: Wo soll die Regionalstadtbahn künftig entlangfahren?

IHK bringt Diskutanten in Pfullingen zusammen

Alte Bahntrasse oder Innenstadtstrecke – diese Frage bewegt Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft gleichermaßen. Rund 60 Gäste aus Unternehmen und Gemeinderat kamen dazu im „Festfabrikle“ in Pfullingen zusammen. Wenn es nach Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner geht, ist die Entscheidung klar. Er sprach sich für die Innenstadtstrecke aus. Für ihn sei sie die „Hauptachse“, die viele Vorteile mit sich bringe. Er verstünde aber auch die Argumente für die alte Bahntrasse. „Informieren Sie sich und nehmen Sie Ihr Wahlrecht wahr“, formulierte er diplomatisch.

Stimmungsbild eingeholt
Mit dem Format „IHK-Klartext“ will die IHK wirtschaftsrelevante Themen vor Ort diskutieren und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Ziel des Abends war es daher, einen gemeinsamen Sachstand zu schaffen und die Anliegen der Wirtschaft in die Debatte einzubringen. Zum Einstieg wurde das Stimmungsbild im Raum abgefragt. Dabei zeigte sich zunächst eine Mehrheit für die alte Bahntrasse. Im Anschluss stellte Prof. Dr. Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, den aktuellen Stand zu beiden Varianten vor. Die Innenstadtstrecke bietet ein höheres Fahrgastpotenzial, ist jedoch mit längerer Fahrzeit und höheren Betriebskosten verbunden. Die alte Bahntrasse hingegen ermöglicht eine schnellere Verbindung, erschließt aber weniger Ziele direkt im Stadtgebiet.

In der Diskussion wurden zahlreiche Detailfragen gestellt: Können Einsatzfahrzeuge bei einer Innenstadtstrecke ihre Ziele weiterhin problemlos erreichen? Wie wirkt sich die Trasse auf Müllabfuhr und Handwerksbetriebe aus? Droht ein Verkehrschaos, etwa bei einer Sperrung des Ursulabergtunnels? Bernecker machte deutlich, dass grundlegende Funktionen wie Rettungswege und Entsorgung auch künftig gewährleistet seien. Verkehrsprobleme könnten unabhängig von der gewählten Variante auftreten. Auch eine mögliche Lösung mit autonomen, fahrenden Transportfahrzeugen, die künftig eine Alternative zur Bahn darstellen könnten, sah Bernecker skeptisch. „In Ludwigsburg gab es eine Studie dazu. Shuttles können nicht ansatzweise das leisten, was eine Bahn kann.“

Sorgen des Einzelhandels
Ein Schwerpunkt lag auf den Sorgen des Einzelhandels. Kritisch gesehen wurde vor allem die Bauphase von bis zu rund 20 Monaten in der Innenstadt. Befürchtet wird, dass Geschäfte diese Zeit wirtschaftlich nicht überstehen könnten und der Wegfall von Parkplätzen Kunden abschreckt. Dem stellte Barbara Muschler, Einzelhändlerin aus Mössingen, ihre Erfahrungen gegenüber. Sie hatte eine mehr als neunjährige Baustelle in der Mössinger Innenstadt direkt vor der Tür ihres Modeladens. Ihr Fazit: „Es war natürlich belastend, aber die lange Bauzeit hat sich gelohnt.“ Voraussetzung sei, dass Handel und Stadt eng zusammenarbeiten und aktiv auf Aktionen und Veranstaltungen setzen.

Nach einer intensiven Diskussion wurde erneut abgestimmt. Die alte Bahntrasse konnte gegenüber dem Stimmungsbild zu Beginn der Diskussion noch einige Stimmen hinzugewinnen. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei den Bürgerinnen und Bürgern – die Debatte darüber dürfte weiter anhalten.

Daniela Stelle

Daniela Stelle

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