Brexit-Folgen

Geschäftschancen in Irland

Irlands Wirtschaft ist trotz Corona-Pandemie gewachsen und durch den Austritt Großbritanniens aus EU-Binnenmarkt und Zollunion eröffnen sich auf der grünen Insel neue Chancen für deutsche Unternehmen.

Geschäftschancen in Irland

Trotz der Corona- Pandemie konnte Irland in 2020 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund drei Prozent verzeichnen. Auch hatte der Austritt des Vereinigten Königreiches aus EU-Binnenmarkt und Zollunion Auswirkungen auf die irische Wirtschaft und ihren Handel mit dem europäischen Festland. Vor allem der Transit durch Großbritannien – eigentlich der schnellste Weg – wurde zu teuer und bürokratisch, weshalb seit dem Brexit häufiger Direktverbindungen über den Seeweg genutzt werden.

Der Austritt des Vereinigten Königreichs birgt jedoch auch große Chancen für den deutsch-irischen Handel. Importe aus dem Vereinigten Königreich bedeuten nun einen logistischen und administrativen Mehraufwand, dies macht deutsche Produkte für Irland attraktiver. Nach Angaben des Central Statistics Office (CSO) sank der Wert der Warenimporte aus Großbritannien nach Irland in den ersten beiden Monaten des Jahres 2021 um 57 Prozent oder 1,6 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für Deutschland liegen die größten Marktpotenziale in den folgenden Bereichen:

Energie
Enorme Investitionen fließen in die Bereiche der erneuerbare Energien und der Energieeffizienz, um die für 2030 geplanten Klimaziele der Regierung zu realisieren. Rund 70 Prozent der Elektrizität sollen aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden, 1.500 nachhaltige Energiegemeinschaften sollen entstehen und 500.000 Wohnungen sollen auf eine B2-Äquivalenz der Gruppenfreistellungsverordnung (GFVO) aufgerüstet werden. Der Energiesektor ist und bleibt dabei importabhängig. Verstärkt durch den Brexit sind die Iren nun auf Importe im Bereich erneuerbarer Energien und Technologien im Bereich der Energieeffizienz angewiesen. „Made in Germany“ steht besonders im Energiesektor für hohe Qualität.

Maschinenbau
Da der Maschinenbau in Irland geringer entwickelt ist als in Deutschland, muss die Hightech-Industrie sehr viele Maschinen und Ausrüstungen importieren. Obwohl das Vereinigte Königreich kaum noch Maschinen produziert, kamen 2019 von dort 29,1 Prozent aller eingeführten Maschinen nach Irland. Dabei kann der Brexit die traditionell starke Rolle britischer Zulieferer und Zwischenhändler schmälern. Dies eröffnet deutschen Zulieferern exzellente Chancen, da im Ergebnis des Brexit Direktlieferungen zunehmen werden.

Lebensmittelindustrie
Die irische Lebensmittelindustrie ist eine der wichtigsten indigenen Industrien für den Export. Der Umsatz dieses Sektors blieb auch in der Corona-Pandemie stabil und lag zwischen November 2020 und Januar 2021 nur um 0,2 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Die Exporte von Lebensmitteln und Getränken sanken jedoch im Jahr 2020 um vier Prozent, was auf die Unterbrechung der Lieferketten durch den Brexit zurückzuführen ist. Hier bieten sich Geschäftschancen für deutsche Unternehmen, diese Lücken zu füllen. Gefragt sind Zutaten, aber auch Maschinen für Herstellung und Verpackung.

Pharma und Chemiebranche
Die Pharma- und Chemieunternehmen sind im ständigen Wachstum, welches durch Export getrieben wird. Die Pharmahersteller erwirtschafteten 2019 rund 40 Prozent des gesamten industriellen Nettoumsatzes und sind damit die mit Abstand wichtigste Branche des verarbeitenden Gewerbes. Dominiert wird die Branche von ausländischen, meist angelsächsischen Unternehmen, die in Irland für den Weltmarkt produzieren. Auch im Jahr 2020 gab es einen starken Anstieg, dank einer Steigerung der Exporte um 25,4 Prozent. Derzeit ist eines der Leitthemen der Branche Biopharma 4.0, hier mangelt es jedoch an lokaler Technologie und Expertise.

Bausektor
Der Bausektor ist im Wachsen begriffen: In Irland herrscht ein großer Wohnungsmangel. Große Konzerne wie LinkedIn und Facebook haben ihre EMEA-Zentralen in Dublin, weswegen es einen Zuwachs an Angestellten zu verzeichnen gibt. Bedingt durch die geringe Bautätigkeit der letzten dreißig Jahre ist man diesem Wohnraumbedarf nicht in ausreichender Weise nachgekommen. Darauf reagiert Irland nun mit einem groß angelegten Investitionsplan mit einem Volumen von 116 Mrd. Euro. Laut dem NDP (Nationaler Entwicklungsplan) müssen mehr als eine halbe Million neuer Wohnungen bis zum Jahr 2040 gebaut werden.

Mobilität
Im Mobilitätssektor werden aktuell vor allem zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs milliardenschwere Investitionen getätigt. Für den Bau einer neuen U-Bahn-Linie in Dublin werden Investitionen in Höhe von drei Mrd. Euro vorgesehen. Für den Ausbau der S-Bahn-Linie im Großraum Dublin sind Investitionen in Höhe von zwei Mrd. Euro in Planung. Einen weiteren Schwerpunkt bildet dabei die Umgestaltung des Seehafens in der Hauptstadt, wofür 230 Mio. Euro bereitstehen. Hier besteht vor allem Bedarf an Rohstoffen zum Bau.

Hoch im Kurs: Made in Germany
Deutsche Unternehmen und Produkte genießen einen ausgesprochen guten Ruf in Irland, sowohl im Sinne der Qualität als auch der Zuverlässigkeit. Demnach werden die Worte „made in Germany“ gerne gesehen, was deutsch-irische Handelsbeziehungen von Beginn an vereinfacht. Zu beachten ist allerdings, dass Irland als eigenständiger Markt bedient werden sollte. Viele deutsche Unternehmen bearbeiten Irland nicht unmittelbar, sondern mittels eines Vertriebspartners über das Vereinigte Königreich. Der irische Kunde wird jedoch eine direkte Partnerschaft auf Augenhöhe schätzen.

Eine Online-Veranstaltung am 22. Februar informiert zum Thema: Brexit und Covid 19 - Irland bietet neue Chancen für deutsche Unternehmen.

Janina Franck, Marketing und PR Project Manager, Deutsch-Irische Industrie- und Handelskammer / IHK Region Stuttgart.

Katrin Glaser

Katrin Glaser

Hauptgeschäftsführung, International
IHK-Zentrale
Position: Enterprise Europe Network / Europäische Länder und Märkte
Schwerpunkte: EU-Informationen, Enterprise Europe Network, Fördermittel EU, Länder und Märkte, Geschäftspartnersuche, Dienstleistungen im Ausland
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