Wirtschaftliche Lage im Zollernalbkreis

Export stabil, Verkehr bleibt Sorgenkind

„Das ist der falsche Weg“, kritisiert IHK-Vizepräsident Joachim Link die Maßnahme der Bundesregierung, die Energiesteuer auf Kraftstoffe für zwei Monate zu senken.

Export stabil, Verkehr bleibt SorgenkindVorsitzender des IHK-Gremiums Zollernalb Joachin Link und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp (rechts)

„Die regionale Wirtschaft hält von der Maßnahme nichts“, sagt Joachim Link. Er befürchtet, dass sie nur begrenzt Wirkung zeigen wird. Die Folgen des Iran-Kriegs werden die Unternehmen durch zerstörte Öl-Förderanlagen in der Golf-Region und gestörte Lieferketten noch lange darüber hinaus zu spüren bekommen. Stattdessen sollte die Regierung die Stromsteuer für alle Unternehmen spürbar und dauerhaft senken. „Das würde den Betrieben Luft für Investitionen geben und sie, aber auch die Beschäftigung, stabilisieren.“ 

Außenhandel stützt, Lieferketten sind gefährdet
Der Export stützt trotz der schwierigen Weltlage weiterhin die Wirtschaft im Zollernalbkreis: Die Unternehmen lieferten im Jahr 2025 Waren im Wert von 2,37 Milliarden Euro ins Ausland, die Exportquote für industrielle Güter lag bei 49 Prozent. Die Länder im Nahen Osten spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle, die Waren gehen in erster Linie nach Europa, USA und China. Trotzdem wird sich der Iran-Krieg auf die Unternehmen im Zollernalbkreis auswirken, die globalen Lieferketten sind schon jetzt empfindlich gestört. Vor allem in produzierenden Unternehmen können Engpässe entstehen, wenn die Beschaffung von Rohstoffen und Zulieferprodukten hakt. „Wir brauchen funktionierende Lieferketten, da greift ein Glied ins andere.“ 

Perspektiven für den Standort schaffen
Joachim Link richtet auch den Blick nach Stuttgart und mahnt die Koalitionspartner dazu, ein schnelleres Tempo als bisher an den Tag zu legen. Grüne und CDU haben sehr lange sondiert. „Ich hoffe nicht, dass das die neue Baden-Württemberg-Geschwindigkeit ist.“ Die Wirtschaft erwartet einen Koalitionsvertrag, der den Fokus auf Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung setzt. Im jetzt veröffentlichten Sondierungspapier steht Wirtschaft an erster Stelle. Diesen Kurs gilt es beizubehalten, die Wirtschaft zu stärken und ihr Perspektiven am Standort zu bieten. „Wir brauchen gute Rahmenbedingungen für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum“, so Link. 

Wann kommt die Trasse?
Sorgen bereitet Joachim Link, dass das Teilstück der B27 zwischen Bodelshausen und Ofterdingen immer noch nicht ausgebaut ist. Die Planungen ruhen aktuell, weil der Planfeststellungsbeschluss beklagt wird. Link zeigt sich ob der aktuellen Nachricht, dass die B27 an dieser Stelle nun saniert werden soll, irritiert. Es entsteht der Eindruck, dass die Trasse erst in ferner Zukunft gebaut werden kann. Für die Unternehmen im Zollernalbkreis wäre das ein Rückschlag: Die B27 ist für sie eine wichtige Verkehrsader in Richtung Stuttgart. Die täglichen Staus auf diesem Teilstück kostet sie Zeit und Geld. In diesem Zusammenhang regt der IHK-Vizepräsident an, das Verbandsklagerecht zu beschränken. 

Duale Ausbildung bleibt krisensicher 
Trotz aktuell schwacher Konjunktur werden die Betriebe im Zollernalbkreis absehbar weiter Fachkräftebedarf haben. Alle Umfragen der IHK zeigen, dass die Firmen die fehlende Verfügbarkeit gut qualifizierter Personen als Risko für ihren weiteren Geschäftsbetrieb ansehen. „Gerade im Zollernalbkreis werden Beschäftigte mit einer Ausbildung und möglichst auch mit Weiterbildungen gesucht. Das passt einfach zum starken industriellen Besatz im Kreis“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp. Auch in der mittelfristigen Prognose wird sich dieser Trend nicht verändern. Von allen Fachkräften, die bis 2035 gesucht werden, sollen mehr als die Hälfte eine Ausbildung mitbringen. „Die duale Ausbildung bleibt der beste Einstieg in eine vergleichsweise krisensichere Berufslaufbahn“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer.  

Matthias Miklautz

Matthias Miklautz

Unternehmensförderung & Standortpolitik, Standortagentur & Netzwerkbüro
IHK-Zentrale
Position: Leiter IHK-Geschäftsstelle Zollernalbkreis
Schwerpunkte: Regionalmanagement Zollernalbkreis, IHK-Gremium Zollernalbkreis: Geschäftsführung, Branchenbetreuung Tourismus, Unterrichtung für Aufsteller von Spielgeräten mit Gewinnmöglichkeiten
Telefon: 07121 201-265
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