Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU

Durchbruch eröffnet Region große Chancen

„Das Abkommen ist ein entscheidender Hebel für die exportorientierte regionale Industrie“, sagt IHK-Außenhandelsexperte Martin Fahling zur heutigen Einigung auf ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien.

Durchbruch eröffnet Region große ChancenFoto: Ralf Gosch - stock.adobe.com

„Die ‚Mutter aller Abkommen‘ kommt genau zur richtigen Zeit“, kommentiert Fahling den Abschluss des Freihandelsabkommens. „Damit fallen für unsere Unternehmen massive Handelsbarrieren. Die Region Neckar-Alb wird erheblich profitieren.“ 

Exportmotor kann zünden
Aktuell unterhalten rund 200 Unternehmen aus den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und dem Zollernalbkreis Handelsbeziehungen nach Indien. 50 Unternehmen sind bereits vor Ort vertreten, weitere 40 Betriebe haben eigene Niederlassungen oder Produktionsstätten in Indien. Bisher belaufen sich die Exporte aus der Region Neckar-Alb nach Indien auf rund 125 Millionen Euro pro Jahr. „Wir rechnen durch das Abkommen mit mindestens einer Verdopplung der Exporte in kurzer Zeit“, so Fahling. Die Marktöffnung für 96,9 Prozent aller EU-Warenexporte stellt für regionale Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten aus Ländern ohne vergleichbares Abkommen dar.

Startschuss Anfang 2027 erwartet
Neue Perspektiven bieten sich vor allem Branchen in der Industrie: Die bisherigen Zölle auf Produkte des Maschinenbaus fallen weitgehend weg. Für die Automobilzulieferer ist der Abbau der Zölle auf Autoteile über einen Zeitraum von fünf Jahren ein zentrales Signal, die bislang extrem hohen Zölle auf Fahrzeuglieferungen werden schrittweise von 110 auf 10 Prozent gesenkt. Zudem werden bisher stark regulierte Märkte wie die Medizintechnik von Zugangshindernissen befreit. Noch ist Geduld gefragt: Nach der aktuellen Einigung folgen die juristische Prüfung und die Ratifizierung durch das Europäische Parlament. Mit dem tatsächlichen Inkrafttreten und den ersten spürbaren Zollentlastungen wird für Anfang 2027 gerechnet. 

Die Unternehmen der Region Neckar-Alb sind stark vom Außenhandel abhängig, die Exportquote betrug zuletzt 60 Prozent. „Angesichts der außenwirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre, die bisher starke Märkte wie China und die USA für Unternehmen herausfordernder gemacht haben, bedeutet das neue Freihandelsabkommen Planungssicherheit und den Zugang zu einem der dynamischsten Märkte der Welt“, so Fahling.

Martin Fahling

Martin Fahling

International & internationale Fachkräfte,
IHK-Zentrale
Position: Bereichsleiter
Schwerpunkte: Grundsatzfragen, Außenwirtschaftspolitik, Beratungen, Institute for Emerging Markets
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