Integration durch Ausbildung
„Dranbleiben lohnt sich“

Beim Treffen in der IHK Reutlingen wurde schnell deutlich: Für die jungen Zugewanderten ist die Sprache beim Einstieg ins Berufsleben die größte Hürde. IHK-Integrationsberaterin Aleksandra Vohrer machte ihnen Mut: „Die ersten vier Monate einer Ausbildung sind die schwierigsten – danach wird es leichter. Sie müssen einfach durchhalten.“
Drei Jahre vergehen wie im Flug
Kübra Güzelsoy kam vor fünf Jahren aus der Türkei nach Tübingen. Dort absolvierte sie ihren Master in Medienwissenschaften auf Englisch. Der anschließende Einstieg in die Berufswelt scheiterte zunächst an fehlenden Deutschkenntnissen. In einem Freiwilligen Sozialen Jahr in der Altenhilfe verbesserte sie ihre Sprachkenntnisse und fand mit Unterstützung von Integrationsberaterin Aleksandra Vohrer einen Ausbildungsplatz als Industriekauffrau bei Kemmlit in Dußlingen. Ihr Rat: „Am Anfang wirkt alles wie ein großer Berg – aber drei Jahre Ausbildung gehen schneller vorbei, als man denkt.“
Dranbleiben und Hilfe annehmen
Shadrack Milka kam mit einem Diplom in Luftfahrt aus Kenia. Auch er musste beruflich nochmal von vorn anfangen. Nach einem Freiwilligendienst in der Behindertenhilfe absolvierte er eine Einstiegsqualifizierung (EQ) und begann im Anschluss seine Ausbildung zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung bei der Hasenauer+Koch GmbH & Co. KG in Reutlingen. Aleksandra Vohrer erklärt: „Die Einstiegsqualifizierung ist eine gute Möglichkeit für das Unternehmen, künftige Azubis kennenzulernen. Kommt anschließend eine Ausbildung zustande, kann die Zeit angerechnet werden.“ Inzwischen spricht Milka fließend Deutsch, hat eine feste Stelle und eine Familie gegründet. „Der Weg war nicht einfach. Man ist oft älter als andere Auszubildende und kulturelle Unterschiede spielen eine Rolle. Aber wichtig ist: Nie aufgeben, dranbleiben und Hilfe annehmen.“
Mit der IHK den passenden Weg gefunden
Mahmoud Suliman kam als Geflüchteter aus Syrien nach Reutlingen und begann zunächst ein Studium. Über das IHK-Projekt „Neustart für Studis“ kam er in Kontakt mit Aleksandra Vohrer. Sie vermittelte ihm eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der Firma Wafios in Reutlingen. Auch er motivierte die jungen Frauen und Männer: Wer in Deutschland beruflich ankommen möchte, müsse vor allem Geduld mitbringen und den Willen, sich den Herausforderungen zu stellen.
Hintergrund zum Projekt
Das IHK-Projekt „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Zugewanderte“ unterstützt seit 2016 junge Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund auf dem Weg in eine duale Ausbildung. Im Jahr 2025 hat Integrationsberaterin Aleksandra Vohrer 75 Personen beraten und 24 davon in eine Ausbildung oder Einstiegsqualifzierung vermittelt. Darunter sind 16 Personen aus der Ukraine. Häufig haben die Bewerberinnen und Bewerber bereits Ausbildungen oder Studienabschlüsse aus ihrem Herkunftsland. Neben Sprachkenntnissen fehlt oft das Wissen über das Ausbildungssystem oder die Anerkennung der Abschlüsse. Hier setzt das Projekt an: mit Beratung, Unterstützung bei Bewerbungen und der Vermittlung in Einstiegsqualifizierungen (EQ), die häufig zum Türöffner werden. Das vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus geförderte Programm wurde bis 2026 verlängert und bietet bei der IHK Reutlingen individuelle Begleitung für Unternehmen und Bewerbende. „Im Rahmen des Projekts sind schon viele dauerhafte Kontakte entstanden. Wir wollen die Unterstützung für Zuwanderer und Betriebe weiter ausbauen, deswegen haben wir für die neue Förderperiode das Personal um eine halbe Stelle aufgestockt“, sagt Cathrin Koch, Leiterin Ausbildungsberatung und Vertragswesen.
