100 Tage Krieg in der Ukraine

Diplomatie nicht in Sicht

„Der Krieg in der Ukraine bleibt eine humanitäre Katastrophe und meine Gedanken sind bei allen, die flüchten und um ihr Leben fürchten müssen“, kommentiert IHK-Präsident Christian O. Erbe anlässlich des 100. Kriegstages.

Diplomatie nicht in SichtFoto: Darya Lavinskaya - stock.adobe.com

„Ich erkenne derzeit leider keine diplomatischen Ansätze zur baldigen Beilegung dieses Krieges. Dabei wäre ein sofortiger Waffenstillstand so wichtig, um das Blutvergießen und die Zerstörung zu beenden“, sagt der IHK-Präsident. Aus Sicht von Erbe kann sich der Krieg zu einer globalen Krise entwickeln: „Es wird mit Waffen, aber auch mit dem Zugang zu Rohstoffen und Lebensmitteln gekämpft. Die Folgen werden in vielen Teilen der Welt zu spüren sein und dort zu Hunger, Armut und Verteilungskämpfen führen.“

Die europäischen Sanktionen haben den Export heimischer Produkte nach Russland faktisch zum Erliegen gebracht. Die IHK geht nach Auswertung der aktuellen Exportdaten des Statistischen Landesamts und der eigenen Ursprungszeugnisse davon aus, dass die regionalen Ausfuhren nach Russland um über 70 Prozent zurückgegangen sind. Dabei war das Niveau der Ausfuhren nach der Krim-Annexion in 2014 schon deutlich zurückgegangen. Aktuell dürfen in erster Linie nur noch medizinische Produkte sowie Stoffe und Gewebe geliefert werden.

Trotz Krieges bleiben viele Betriebe laut jüngstem IHK-Konjunkturbericht optimistisch. Das zeigt sich etwa an den Planungen zu betrieblichen Investitionen oder Beschäftigung: 32 Prozent der Betriebe wollen weiter investieren, 26 Prozent ihren Personalbestand aufstocken. Gleichzeitig sind die Lieferketten in den meisten Produktionsbereichen gestört. Die Preise für Energie sind deutlich gestiegen. 79 Prozent der befragten Firmen bezeichnet weiter steigende Energie- und Rohstoffpreise als das aktuell größte wirtschaftliche Risiko.

Betriebe wollen einstellen
Bei der IHK mehren sich in den letzten Wochen die Anfragen von Unternehmen, die ukrainische Flüchtlinge einstellen wollen. IHK-Expertin Svitlana Burmey informiert die Betriebe zu Fragen der Beschäftigung von ukrainischen Staatsangehörigen und versucht beim Matching zu helfen. „Die Situation ist nicht einfach. Die Geflüchteten kommen in ein fremdes Land, sie können noch nicht die Sprache, die Kinder müssen versorgt werden und dann muss noch eine passende berufliche Tätigkeit gefunden werden“, so Burmey. Vor diesem Hintergrund ist es gut, dass an vielen Stellen der Region geholfen wird. „Das Netzwerk funktioniert, viele Ehrenamtliche und auch die Behörden sind sehr engagiert. Das zeigen mir die Gespräche, die wir führen können.“ Die IHK hat unlängst eine Übersichtsseite im IHK-Web mit Jobinfos in ukrainischer Sprache angelegt.

Martin Fahling

Martin Fahling

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