IHK untersucht Online-Handel in der Region
Digitaler Einkauf gehört mittlerweile dazu
Foto: virtua73 - Fotolia.comAktuell beträgt die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in der Region laut IHK-Kaufkraftatlas 8.266 Euro pro Kopf. Davon werden 1.070 Euro online ausgegeben. Besonders häufig werden in der Region Neckar-Alb Produkte der Informationstechnologie (44,6 Prozent) und der Telekommunikation (41,1 Prozent) online gekauft. Es folgen Fotoartikel (40,6 Prozent), Lederwaren (40,4 Prozent) sowie Damenmode (36,4 Prozent), Herrenmode (31,2 Prozent) und Schuhe (19,1 Prozent). Kaum ein Thema für den Onlinekauf sind dagegen Waren des täglichen Bedarfs: Tabakwaren (1,6 Prozent), Nahrungsmittel (1,9 Prozent), Getränke (2,1 Prozent) oder Wasch- und Putzmittel (2,7 Prozent).
Interessant: Seit dem Ende der Corona-Pandemie ist der Online-Anteil wieder leicht rückläufig. 2023 hatte er in der Region noch bei etwa 16 Prozent gelegen, also knapp 3 Prozent über dem derzeitigen Stand. Der Rückgang ist aus Sicht der IHK jedoch kein Zeichen für einen grundsätzlichen Bedeutungsverlust des Onlinehandels. „Während der Pandemie legten Online-Käufe deutlich zu. Das hat sich wieder normalisiert, die Kunden kaufen wieder stärker stationär ein. Gleichzeitig sind digitale Einkaufs- und Informationswege für viele selbstverständlich geworden“, sagt Christoph Heise, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Reutlingen.
„Beide Welten verbinden“
Die Auswertung macht deutlich: Gerade in Sortimenten wie Bekleidung, Accessoires und Schuhe, die traditionell wesentlich zur Attraktivität und Frequenz der Innenstädte beitragen, konkurriert der stationäre Innenstadthandel mit digitalen Angeboten. „Für die Kundinnen und Kunden verschwimmt die Grenze zwischen stationärem und digitalem Handel zunehmend. Der heimische Handel muss darauf reagieren und beide Welten verbinden“, sagt Silvio Flemmig, Vorsitzender des Handelsausschusses der IHK Reutlingen.
Eine regelmäßige Umfrage der IHK unter ausgewählten Fachhändlern zeigt, dass sich immer mehr Betriebe genau auf diesen Weg machen: Knapp 46 Prozent der befragten regionalen Händler bedienen mittlerweile digitale Vertriebskanäle. 24 Prozent erzielen mittlerweile mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes online. „Für regionale Unternehmen entstehen in der Kombination von stationär und digital neue Möglichkeiten“, so Flemmig. Händler können ihre Reichweite über den eigenen Standort hinaus vergrößern und gleichzeitig ihre digitale Sichtbarkeit verbessern. „Es muss uns gelingen, die Kundinnen und Kunden, die sich zunächst online informieren, anschließend in unser Geschäft oder den eigenen Online-Store zu lotsen.“
Online ist ausbaufähig
Insgesamt sind nach Eindruck der IHK die Online-Aktivitäten der Einzelhändler noch ausbaufähig. Über das vom Land geförderte Beratungsprogramm Innenstadtberater war die IHK in den letzten fünf Jahren in 16 Kommunen der Region unterwegs und hat auch den Digitalisierungsgrad des Handels untersucht. „Vor allem für kleine und kleinste Händlerinnen und Händler ist der Aufwand, mehr als einen Kanal zu betreiben, oft schlicht zu hoch“, sagt Heise. Gleichzeitig fehlt es bei stationären Geschäften häufig digital an einfachen Informationen – eben die berühmte digitale Visitenkarte mit Öffnungszeiten, Adresse, Mailadresse, Telefonnummer und einem kurzen Überblick zum eigenen Sortiment. „Die digitale Sichtbarkeit ist wichtig, gerade für inhabergeführte Geschäfte, die stationär mit Beratung, Service und regionaler Verbundenheit punkten können“, erklärt Christoph Heise.
Die IHK bietet immer wieder Seminare für die Digitalisierung des eigenen Geschäfts an, um kleinen und kleinsten Händlerinnen und Händler den Einstieg zu erleichtern. Daneben braucht es jedoch auch eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, möglichst einfache regulatorische Vorgaben und faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber großen und internationalen Plattformen. Vorgaben zu Verbraucherschutz, Produktsicherheit und weiteren gesetzlichen Pflichten müssen für alle Marktteilnehmer vergleichbar gelten und durchgesetzt werden.
