IHK-Konjunkturumfrage: Höhenflug, aber wie lange noch?

Der Schwung hält an

Der drohende Brexit und mögliche Handelsbeschränkungen im Geschäft mit den USA schlagen derzeit nicht auf die Konjunktur in der Region durch.

Der Schwung hält anFoto: Frank Wagner - Fotolia.com

Der regionale Konjunkturklimaindex, er bildet Lage und Erwartungen der heimischen Unternehmen ab, legt in der neuesten Umfrage der IHK Reutlingen sogar erneut zu und erreicht 140 Punkte (Herbst: 139). Seit Beginn des Jahrtausends kommt der Index überhaupt erst zum dritten Mal auf einen Wert von 140 oder mehr. „Die Firmen sehen durchaus die Gefahren einer Welt, die sich dem Freihandel verschließt. Noch überwiegt aber der Optimismus, dass sich lange bestehende und gute Handelsbeziehungen nicht von heute auf morgen schädigen lassen“, kommentiert IHK-Präsident Christian O. Erbe.

Der Anstieg des Konjunkturklimaindexes basiert vor allem auf der noch einmal verbesserten Geschäftslage. 58 Prozent der befragten Firmen sagen, dass sie mit ihren Geschäften zulegen konnten, 39 Prozent berichten über eine unveränderte Lage. Bei den Aussichten sind die Antworten etwas gedämpfter: 35 Prozent erwarten bessere Geschäfte (Herbst: 37 Prozent), 58 Prozent erwarten keine Veränderung (Herbst: 54 Prozent). Hier deutet sich eine Abschwächung an. Erbe: „Wir sind aktuell auf einem Zenit, der sich in Rekordbeschäftigung, stabiler Binnenkonjunktur und florierendem Exportgeschäft niederschlägt. Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich dieser Höhenflug absehbar auf ein normaleres Maß reduziert.“ Diese Einschätzung wird auch dadurch gestützt, dass 45 Prozent der befragten Firmen ein Abschwächen der Konjunktur befürchten. Bei den Aussichten am Arbeitsmarkt ist das Bild ebenfalls zweigeteilt: Fast 28 Prozent der Betriebe wollen weiter einstellen (Herbst: 25,6 Prozent). Zugleich wollen 13 Prozent der Firmen ihre Belegschaft verkleinern (Herbst: 11,8 Prozent).

Industrie legt zu, Großhandel schwächer
Die positive Gesamteinschätzung der regionalen Konjunktur wird derzeit von der Industrie getrieben. 53 Prozent dieser Betriebe bezeichnet die Lage als „gut“ (Herbst: 49 Prozent). Bei 49 Prozent ist der Umsatz gestiegen, lediglich 21 Prozent setzten zuletzt weniger um. In den kommenden zwölf Monaten rechnen über 44 Prozent der Industriebetriebe mit besseren Geschäften. Auch bei den Investitionsabsichten liegt die Industrie deutlich über dem regionalen Schnitt. 36 Prozent wollen ihre Investitionen ausbauen. Über alle Branchen liegt der Wert bei 30 Prozent. Konjunkturelles Schlusslicht ist in der Region Neckar-Alb derzeit der Großhandel. 49 Prozent der Betriebe sieht eine gute Lage. Das sind sechs Prozentpunkte weniger als noch im Herbst. Im Großhandel haben sich insbesondere die Erwartungen eingetrübt. Der Anteil jener Unternehmen, die mit einer besseren Geschäftsentwicklung rechnen, ist von 42 auf jetzt 28 Prozent zurückgegangen

Herausforderung Digitalisierung
Für viele Betriebe ist die Digitalisierung die zentrale Herausforderung der nächsten Zeit. „Die Firmen müssen sich den Entwicklungen stellen, gerade im Groß- und im Einzelhandel“, so der Präsident. Die IHK wird diesen Prozess mit Beratung und Veranstaltungen begleiten. „Die Digitalisierung wird die Geschäftsmodelle der Unternehmen in einer Art und Weise verändern, die wir uns derzeit noch kaum vorstellen können.“

Stichprobe
An der Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen hat sich eine repräsentative Auswahl von 393 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Bau (169), Groß- und Einzelhandel (91) sowie dem Dienstleistungssektor (133), darunter Hotel- und Gaststättengewerbe, beteiligt. Die Umfrage der IHK lief vom 12. Dezember 2016 bis zum 13. Januar 2017.

Ausführliche Informationen

<link header/region-neckar-alb/zahlen-und-fakten/konjunktur-in-der-region/ _blank>Den gesamten Konjunkturbericht gibt es hier.</link>

<link header/presse/pressedownloads/ _blank>Grafiken zum aktuellen Konjunkturbericht gibt es hier. </link>

Antonia Hettinger

Antonia Hettinger

Hauptgeschäftsführung
IHK-Zentrale
Position: Leiterin Volkswirtschaft & regionale Wirtschaftspolitik
Schwerpunkte: Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik, Konjunkturumfragen, IHK-Netzwerk Bau- und Immobilienwirtschaft, IHK-Netzwerk Projektmanagement
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