IHK: Mercosur-Abkommen längst überfällig
Chance für exportorientierte Unternehmen
Foto: Javier - stock.adobe.comGute Nachrichten für exportorientierte Unternehmen: Das Mercosur-Abkommen eröffnet der regionalen Wirtschaft neue Absatzmärkte in Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay und Bolivien. „Betriebe aus Industrie, Dienstleistung und Handel, die Interesse am Auslandsgeschäft mit Südamerika haben, sollten sich jetzt unbedingt damit beschäftigen und ihre Chance nutzen“, rät Martin Fahling, Bereichsleiter International und Internationale Fachkräfte bei der IHK Reutlingen.
Bessere Bedingungen geschaffen
Der Anteil der Mercosur-Staaten am regionalen Exportvolumen ist mit etwa einem Prozent im Vergleich zu anderen Ländern noch sehr gering. Rund 250 Unternehmen aus der Region Neckar-Alb haben Handelsbeziehungen dorthin, 75 sind vor Ort vertreten, 25 Unternehmen haben Niederlassungen oder Produktionsstätten in den Ländern. Das kann sich nun mit den neuen Rahmenbedingungen ändern. „Wir rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Geschäftsbeziehungen regionaler Firmen mit den Mercosur-Staaten“, sagt Fahling. Mit dem Abkommen werden bestehende hohe Markteintrittshürden abgebaut. Langfristig sollen bis zu 90 Prozent der Einfuhrzölle zwischen EU und Mercosur abgeschafft werden, die Exportkosten dadurch sinken und Lieferketten abgesichert werden. Außerdem enthält das Abkommen verbindliche Verpflichtungen zum Klimaschutz und gegen illegale Entwaldung.
Handeln ist gefragt
Wenn das EU-Parlament zustimmt, könnte das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten im Laufe des Jahres vorläufig in Kraft treten. Dann entsteht die größte Freihandelszone der Welt mit 718 Millionen Menschen und fast 25 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. „Die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens war längst überfällig“, sagt Fahling. Es stärkt europäische Unternehmen im internationalen Wettbewerb. „Gerade in einer Zeit wie jetzt, die von globalen Unsicherheiten geprägt ist, brauchen Unternehmen Stabilität.“ Aus Sicht der IHK sollte die EU am Ball bleiben und Abkommen mit Ländern wie Indien, Malaysia, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten vorantreiben. „Die Umsetzung sollte allerdings nicht wieder 25 Jahre in Anspruch nehmen“, fordert Fahling. „Es ist heutzutage wichtiger denn je, dass Betriebe ihre Absatzmärkte weiter diversifizieren und sich von Abhängigkeiten befreien. Das Mercosur-Abkommen bietet dafür jede Menge Möglichkeiten.“
