IHK-Ausbildungsumfrage
Betriebe setzen weiter auf Ausbildung
Foto: nd3000 - istockphoto.comDie Ausbildungsbereitschaft bleibt in der Region insgesamt hoch: 58,3 Prozent der IHK-Mitgliedsunternehmen in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb wollen ihr Ausbildungsangebot im Jahr 2026 unverändert fortführen. „Sie stehen zu ihrer Verantwortung und investieren in die Ausbildung junger Menschen“, sagt IHK-Präsident Johannes Schwörer. Die Ausbildung bleibt damit für die Unternehmen ein zentrales Instrument der Fachkräftesicherung. Rund zwei Drittel der Betriebe beabsichtigen, ihre Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss zu übernehmen.
Ausbildungsreife bleibt zentrales Thema
49 Prozent der regionalen Betriebe gaben an, im Jahr 2025 nicht alle ausgeschriebenen Ausbildungsplätze besetzt zu haben. Damit bleibt der Wert gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert (50 Prozent). Als Hauptursache für die unbesetzten Stellen gaben die befragten Unternehmen das Fehlen geeigneter Bewerberinnen und Bewerber (67,5 Prozent) an. Ein Drittel der Betriebe erhielt keine Bewerbungen.
Ein Grund dafür liegt aus Sicht der Unternehmen in der Ausbildungsreife der Bewerberinnen und Bewerber: 92 Prozent sehen hier Defizite. Besonders häufig nennen sie unzureichende schulische Basiskenntnisse in Deutsch und Mathematik (53,8 Prozent) sowie Defizite beim Arbeits- und Sozialverhalten, etwa bei Zuverlässigkeit und Leistungsbereitschaft. „Deshalb müssen wir die schulische Bildung insgesamt stärken“, sagt Schwörer. Dazu gehören eine intensive Berufsorientierung und eine gute Vorbereitung auf den Ausbildungsalltag. „Aber vor allem muss in die personelle und materielle Ausstattung der Schulen investiert werden.“ Die Betriebe wünschen sich vor allem einen stärkeren Praxisbezug im Unterricht, eine engere Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb sowie zusätzliche Qualifizierungsangebote während der Ausbildung. Schwörer: „Das sind wichtige Ansatzpunkte, um junge Menschen noch besser auf den Ausbildungsstart vorzubereiten.“
KI gewinnt an Bedeutung
Erstmals wurde der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Ausbildung abgefragt. Noch spielt sie eine untergeordnete Rolle: 41,3 Prozent setzen KI in der Ausbildung bislang gar nicht ein. Dort, wo sie genutzt wird, dient sie vor allem als Lernhilfe und zur Prüfungsvorbereitung. „Künstliche Intelligenz gehört für viele junge Menschen längst zum Alltag. Die Umfrage zeigt, dass viele Unternehmen beim Einsatz von KI in der Ausbildung noch am Anfang stehen. Das wird sich ändern“, sagt Thorsten Leupold, Bereichsleiter Ausbildung und Prüfungswesen bei der IHK Reutlingen. Es gehe allerdings nicht darum, klassische Ausbildungsinhalte zu ersetzen, sondern Auszubildende frühzeitig auf den sicheren Umgang mit neuen Technologien vorzubereiten. „Dafür müssen Betriebe und Berufsschulen die notwendigen Kompetenzen gemeinsam vermitteln“, so Leupold.
Über die Umfrage
Die Ausbildungsumfrage wurde im Mai 2026 von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) online durchgeführt. Die Ergebnisse wurden regional ausgewertet und verarbeitet. Aus der Region Neckar-Alb (Landkreise Reutlingen, Tübingen und Zollernalb) haben 232 IHK-Ausbildungsbetriebe teilgenommen, 87 Prozent von ihnen bilden derzeit selbst aus.
