IHK-Konjunkturumfrage: Export derzeit kein Treiber
Aus leichter Zuversicht wird Unsicherheit
Bild: istockphoto/mohd izzuanDer regionale IHK-Konjunkturklimaindex kommt nach den jüngsten Daten auf 101 Punkte und verliert gegenüber dem Jahresbeginn drei Punkte. Der Konjunkturklimaindex bildet die Einschätzungen der heimischen Unternehmen zu Lage und Aussichten ab. Dabei zeigt sich die aktuelle Lage faktisch unverändert: 31 Prozent der teilnehmenden Betriebe schätzen ihre Lage als „gut“ ein (gleich zum Jahresanfang), 19 Prozent sagen „schlecht“ (Jahresanfang: 22).
Demgegenüber bekommen die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate einen Dämpfer. Zwar sehen weiterhin 20 Prozent verbesserte Geschäfte kommen, zugleich ist die Zahl der Betriebe, die schlechtere Aussichten befürchten, von 20 auf 29 Prozent gestiegen. „Der Ausblick ist ungewiss. In den allermeisten Branchen vermelden die Betriebe große Zurückhaltung ihrer Kunden. Niemand vermag realistisch zu sagen, was kommt“, sagt Johannes Schwörer, Präsident der IHK Reutlingen.
Wo bleibt die politische Unterstützung?
Bei den wirtschaftlichen Risiken für die kommenden Monate liegen die Inlandsnachfrage und die Energiepreise mit jeweils 62 Prozent vorne. Energiepreise, geopolitische Spannungen (48 Prozent) und Rohstoffpreise (45 Prozent) haben im Zuge der Auseinandersetzungen am Golf deutlich an Bedeutung zugenommen. Die Wirtschaftspolitik hat sich in der Wahrnehmung der Geschäftsrisiken etwas verbessert. Derzeit nennen sie 38 Prozent, zu Jahresbeginn waren es noch 44 Prozent. „Gerade der Mittelstand vermisst nach wie vor die echte politische Unterstützung und das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge in der Gesellschaft. So wird immer wieder Bürokratieabbau versprochen, aber wenn man sich aktuell die geforderten Berichtspflichten aus der Entgelttransparenzrichtlinie anschaut, weiß man, dass genau das Gegenteil passiert. Und das frustriert viele in den Unternehmen“, so Schwörer.
Investitionen in schwierigen Zeiten
Die Unsicherheit macht sich auch in den Investitionsplanungen der Unternehmen weiter bemerkbar. Lediglich 22 Prozent der Befragten wollen mehr, 25 weniger und 17 Prozent nicht investieren. Wenn investiert wird, dann für den Ersatzbedarf, sagen 67 Prozent. Digitalisierung landet bei den Investitionsmotiven auf Rang zwei (53 Prozent) und Innovationen (37 Prozent) erstmals auf Rang drei. „Dort sehen wir einen Hoffnungsschimmer, weil die Unternehmen trotz des sehr schwierigen Umfeldes an ihrem Geschäftsmodell arbeiten“, sagt IHK-Konjunkturexpertin Antonia Hettinger.
Vom Export ist derzeit hingegen kein starker Konjunkturanschub zu erwarten. Die regionalen Ausfuhren standen zuletzt zwar weiter bei über 13 Milliarden Euro pro Jahr, die Erwartungen der exportierenden Firmen sind aktuell jedoch leicht rückläufig: 23 Prozent sehen steigende Geschäfte im Ausland kommen (Jahresanfang: 26). Firmen, die Rückgänge befürchten, liegen mittlerweile wieder bei 23 Prozent (Jahresanfang: 16). „Auch hier zeigen sich die Folgen der Kriege im Nahen Osten und in der Golfregion“, so Hettinger.
Branchen
In allen Branchen überwiegt derzeit die positive Einschätzung der aktuellen Lage. Allerdings sind die Aussichten eingetrübt. In der Industrie ist die Kapazität aktuell nur zu 77 Prozent ausgelastet. In den Vor-Corona-Jahren lag diese noch bei knapp 90 Prozent. Die Exporterwartungen sind gesunken. Im Einzel- und Großhandel wird das Kaufverhalten als sehr zurückhaltend beschrieben, entsprechend pessimistisch sieht diese Branche in die Zukunft. Das Baugewerbe und die Dienstleister sind vergleichsweise optimistischer gestimmt. Mit Blick auf die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise wird jedoch auch hier der Ausblick trüber.
Die Umfrage
Die IHK-Konjunkturumfrage findet dreimal im Jahr statt. An der aktuellen Umfrage hat sich eine repräsentative Auswahl von 350 Unternehmen der Region aus den Bereichen Industrie und Bau (158), Groß- und Einzelhandel (91) sowie dem Dienstleistungssektor (101), darunter Betriebe aus dem Hotel- und Gaststätten- sowie dem Kredit- und Versicherungsgewerbe beteiligt. Die Umfrage lief bis zum 4. Mai 2026.
