Technologietransferpreis der IHK Reutlingen
Aus der Forschung in die Umsetzung
Foto: Trinkhaus„Um Forschung wirtschaftlich nutzbar zu machen, braucht es nicht nur gute Hochschulen. Es braucht auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereit sind, über den akademischen Rahmen hinaus mit Firmen zusammenzuarbeiten und ihre Ideen gemeinsam weiterzuentwickeln“, sagte bei der Preisverleihung Eva Beckershoff, verantwortlich für den Technologietransferpreis im Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer der IHK Reutlingen. Die Übergabe an die Preisträger übernahm Professor József Fortágh von der Universität Tübingen und Jurymitglied beim Technologietransferpreis.
Software zur Geräteüberwachung
Professor Joachim Gerlach, Professor Alexander Bade und Professorin Jessica Rövekamp von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen und sein Forschungsteam setzen sich in ihrem Projekt mit der Weiterentwicklung von Smart Meter Gateways auseinander. Sie ermöglichen anhand ihrer Software die sichere Überwachung und Steuerung von Anlagen wie Ladestationen für E-Autos, Solaranlagen oder Wärmepumpen. Die Software bindet die Geräte in eine speziell gesicherte Funkfrequenz ein und erkennt mögliche Probleme mit der Datenübertragung. Dadurch steigen die Einsatzmöglichkeiten von privaten Haushalten auf größere Energieanlagen, beispielsweise in Windrädern oder Solarkraftwerken. Am Projekt beteiligt ist das Unternehmen Theben Smart Energy aus Haigerloch.
Flexibler Fuhrpark
Professorin Vera Hummel von der Hochschule Reutlingen hat eine Plattform entwickelt, die Unternehmen ermöglicht, fahrerlose Transportsysteme auszuleihen. Sie hat das Prinzip des Carsharings auf die Intralogistik übertragen und sowohl technisch als auch wirtschaftlich umsetzbar gemacht. Ein KI-gestützter Konfigurator sucht eine passende Fahrzeugflotte aus und schlägt sie dem Anwender vor. Vor allem in Branchen mit schwankender Auslastung ist das neue System ein großer Vorteil, weil die Unternehmen ihren Fuhrpark flexibel und je nach Bedarf anpassen können. Umgesetzt wurde das Projekt in Kooperation mit dem Karlsruher Unternehmen Carrybots.
Eier haltbar machen
An der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg arbeitet Professor Jens Poetsch an einem Projekt zu Flüssig-Eiern. Es galt, eine Produktionsanlage zu optimieren, mit der Bio-Betriebe ihre Eier als Flüssig-Eier haltbar machen können. So können sie Produktionsüberschüsse bei schwacher Nachfrage ausgleichen und müssen ihre Hartschalen-Eier nicht mehr unter den Produktionskosten verkaufen. Beteiligt war das Hofgut Martinsberg, das im Rahmen des Projekts seine Wertschöpfungsketten anpassen, neue Vermarktungswege identifizieren und Kontakte zu Bäckereien und Großküchen aufbauen konnte. Darüber hinaus entstand im Projekt ein Praxisleitfaden, der dabei hilft, das Projekt über den Piloten hinaus zu etablieren.
RNA zur Therapie nutzen
Professor Thorsten Stafforst hat aus der Universität Tübingen heraus das Unternehmen Airna mit Standorten in Tübingen und Boston, USA, gegründet. Er forscht am sogenannten RNA-Editing, eine neuartige Therapieform, bei der genetische Informationen gezielt verändert werden, ohne das Erbgut dauerhaft zu verändern. Stafforst nutzt dafür das körpereigene Enzym ADAR, das in fast allen menschlichen Zellen vorkommt. Dadurch kann die Therapie zukünftig bei vielen Krankheiten und Geweben angewendet werden.
Hintergrund
Das Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer (IWW) der IHK Reutlingen würdigt mit dem Preis „Exzellenter Technologietransfer Neckar-Alb“ seit 2014 Forscherinnen und Forscher der vier Hochschulen der Region Neckar-Alb für ihren konkreten Einsatz beim Technologietransfer. Die Preisträger werden von einer Jury aus Wirtschaft und Wissenschaft ermittelt. Die Preisübergabe fand im Rahmen der Innovationstage Tübingen statt. „Mit seinen Events, Beratungen und Kontakten sorgt das Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer zudem das ganze Jahr über für den konkreten, praktischen Dialog zwischen Wissenschaft und Anwendung“, so Beckershoff.
Eine Übersicht der Preisträger aus den vergangenen Jahren gibt es in der Hall of Fame: https://www.innovationstage.de/hall-of-fame